
Die Universität Salzburg untersuchte den Nutzen von Sozialen Medien wie zum Beispiel Wikis und Blogs im Unterricht. Gegenstand der Untersuchung war ein seit Juni laufendes Pilotprojekt «Web 2.0 Klasse» an neun österreichischen Hauptschulen. Offenbar fördert der Einsatz von Social Software nicht nur die Medienkompetenz der Schüler, sondern wirkt sich auch positiv aus auf deren Lernmotivation. Weiter fördert es die Transformation der traditionellen Lehrer-Rolle weg vom reinen Wissensvermittler hin zum Moderator. Die Studie beurteilt den Einsatz der Web 2.0-Technologien im Unterricht grundsätzlich positiv. Dennoch seien noch einige «Hausaufgaben» zu erledigen.
Im Juni diesen Jahres starteten Telekom Austria und das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (bm:ukk) ein innovatives Pilotprojekt: An insgesamt neun österreichischen Hauptschulen arbeiteten Schüler und Lehrer mit Social Software wie Wiki und Weblog, um Wissen und Erkenntnisse virtuell teilen zu können. Die wissenschaftliche Untersuchung durch den Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg, die letzte Woche vorgestellt wurde, zieht eine positive Bilanz.
Laut Prof. Dr. Ingrid Paus-Hasebrink, Leiterin der Abteilung für Audiovisuelle Kommunikation am Fachbereich, bewertete die Mehrzahl der Schüler und Schülerinnen das Projekt Web 2.0-Klasse besser als die Schule im Allgemeinen. Dadurch stieg die Lernmotivation, was «letztendlich zu einem größeren Lernerfolg» führte. Weiter bestätigten alle beteiligten Lehrerkräfte, dass die Medienkompetenz der Schüler durch die Arbeit im Internet massgeblich gestärkt wurde - so haben sie zum Beispiel gelernt, die Qualität von Informationen zu beurteilen und Gefahren besser einzuschätzen.
Für die Lehrer allerdings barg das Projekt nicht nur positive Aspekte, denn sie mussten ihre Lehrmethode radikal umstellen: Sie mussten sich von der traditionellen frontalen Wissensvermittlung verabschieden und zu einer Art Moderator werden. Die Lehrer entwickelten sich so zum Supervisor, der nur eingreift, wenn es nötig ist. Dadurch konnten sie jedoch vermehrt pädagogisch tätig werden, denn sanfte Anleitung und Hilfestellung waren verstärkt gefragt.
Web 2.0 in der Schule (Telekom Austria)
Die gemeinsame Aufgabenstellung des Pilotprojekts lautete «Die Nationalparks Österreichs». Die Schulklassen untersuchten individuelle Fragestellungen zu ihrem nächst gelegenem Nationalpark und stellten die Ergebnisse im zentralen Wiki web20klasse.at ins Internet. Neben Projektberichten in Textform konnten die Schüler auch Fotos auf dem Wiki der Öffentlichkeit zugänglich machen, teilweise wurden auch Filme auf YouTube eingestellt. Die betreuenden Lehrpersonen führten auf dem Projektblog ein Forschungstagebuch. Hier haben sie das Projekt dokumentiert, konnten aber auch Fragen und Tipps einstellen.
Das Pilotprojekt hat laut Paus-Hasebrink gezeigt, dass Web 2.0 erfolgreich im Unterricht eingesetzt werden könne. Allerdings seien noch einige Anpassungen nötig, bevor Social Software im Lehrplan verankert werden kann. Die beteiligten Lehrenden forderten eine Änderung der Unterrichts-Struktur, die mehr Freiräume für projektorientiertes Arbeiten lässt. Zudem müsse es möglich werden, Projekte nicht mehr als Einzelperson, sondern in einem interdisziplinären Lehrerteam durchführen zu können. «Wenn dann auch noch der Umgang mit neuen Technologien in der Lehrer-Ausbildung berücksichtigt wird, ist ein breiterer Einsatz von Web 2.0 durchaus denkbar und wünschenswert», sagte Paus-Hasebrink. Ein Vertreter des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur meinte: «Web 2.0 fordert die Schule heraus und unterstützt pädagogisch wertvolle Aspekte wie eigenverantwortliches Arbeiten, Teamorientierung und Kommunikationsverhalten.»
Ich persönlich sehe durchaus auch das Potential, welches der Einsatz von Social Media im Unterricht in sich birgt. Bis auf weiteres wird dies jedoch an der fachlichen Kompetenz/Ausbildung der Lehrkräfte scheitern. Aus eigener Erfahrung - auch wenn meine Schulzeit schon einige Jahre zurückliegt und damals das Internet noch unbekannt war - und vor allem aus Gesprächen mit mir bekannten Lehrern weiss ich, dass es gerade um die (Neue-)Medienkompetenz der Lehrkräfte meist schlecht bestellt ist. Den grössten Nutzen sehe ich im Bereich der Erwachsenenbildung und der Weiterbildung. Hier sind die Lehrkörper weniger an strenge staatliche Lehrpläne gebunden und sind auch in der Wahl der Methoden freier. Die Kantonale Berufsschule für Weiterbildung EB Zürich bietet übrigens im kommenden Jahr eine Reihe von Kursen zum Thema an, unter anderem auch «Lernen mit Blogs» und «Wiki einsetzen im Unterricht». Weitere Informationen dazu hier auf der Seite der EB.
Folgende Schulen beteiligten sich an der «Web 2.0 Klasse»: Hauptschule Weitersfeld, Hauptschule Admont, Hauptschule Reichraming, Hauptschule Bramberg im Pinzgau, Hauptschule Winklern Spital an der Drau, Hauptschule Pamhagen, Hauptschule Jennersdorf, Hauptschule Orth an der Donau und Hauptschule Illmitz.
Quelle: Telekom Austria
» Drucken 27.11.2007. 09:51
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