
Move over, Maslow! Bedürfnisse 2.0 (stock.xchng)
Wer kennt sie nicht, die Maslowsche Bedürfnispyramide? 1943 veröffentlichte der amerikanische Psychologe Abraham Maslow in seinem Buch «Motivation und Persönlichkeit» sein Modell zur Beschreibung der menschlichen Motivation. Dabei bilden die Bedürfnisse der Menschen die Stufen einer Pyramide. Diese Bedürfnisse (körperliche Bedürfnisse, Sicherheit, soziale Bezeihungen, soziale Anerkennung, Selbstverwirklichung) bauen in diesem eindimensionalen Modell aufeinander auf: Der Mensch versucht, zunächst die Bedürfnisse der niedrigen Stufen zu befriedigen, bevor die nächsten Stufen überhaupt in Angriff genommen werden. Dieses Modell nun hat die auf Online Communitys spezialisierte Beratungsfirma Communispace auf das Web (2.0) übertragen und in einem Paper ausformuliert, welche sozialen Bedürfnisse die Menschen in Social Networks zu befriedigen suchen.

Die Hypothese dabei ist, dass die User von Social Networks sechs essentielle soziale Bedürfnisse online befriedigen wollen. Diese sechs Grundbedürfnisse sind kurz zusammengefasst:
1. Ausdruck der persönlichen Identität. Social Networks ermöglichen es uns Menschen, uns darzustellen und so (immer wieder neu) zu definieren. Vgl. dazu auch hier: «Wir alle wollen bestätigt haben: Du existierst.» (Lance Strate, Professor für Kommunikationswissenschaften an der Fordham University)
2. Status und Selbstvertrauen. Bedürfnisse wie Unabhängigkeit und Anerkennung sind wichtig für unser Selbstwertgefühl. Diese Bedürfnisse können wir mit Communitys, Blogs und anderen sozialen Medien befriedigen, indem wir uns eine digitale Reputation erarbeiten.
3. Helfen und Hilfe bekommen. Menschen haben das Bedürfnis, sowohl anderen zu helfen wie auch selber nach Hilfe zu suchen. Gegenseitige Hilfe (mutual assistance) unter sich völlig fremden Individuen ist ein spezifisch im Internet vorkommendes Phänomen (Hilfe-Foren, Mailinglisten etc.).
4. Anschluss und Zugehörigkeit. Online Communitys sind ein wichtiges Hilfsmittel, um Gleichgesinnte zu finden, sich mit ihnen auszutauschen und «dazu zu gehören». Mit Gleichgesinnten sind Menschen mit ähnlichem Geschmack, ähnlichen Werten und Vorstellungen sowie ähnlichen Interessen gemeint.
5. Gemeinschaftssinn. Ein Zugehörigkeitsgefühl alleine ist nicht gleichzusetzen mit einem Gemeinschaftssinn. Um letzteren zu erreichen, bedarf es lange andauernder, gegenseitiger Beziehungen und ein gegenseitiges Commitment zu den Zielen der Gemeinschaft. Vgl. dazu auch «Stammeskultur im Web 2.0».
6. Bestätigung der eigenen Wertvorstellungen und des Selbstwertgefühls. Wir alle wollen uns bestätigt fühlen in unseren Werten und in unserem Wert. Daher suchen wir die Bestätigung, dass das, was wir sagen, schreiben, tun und denken anderen wichtig ist und auch einen Einfluss auf sie ausübt.
Untenstehende Grafik verdeutlicht, wo im Web 2.0 wir welche Bedürfnisse ausleben können:

Das Paper kann man hier als PDF herunterladen (Registrierung nötig).
» Drucken 19.12.2007. 10:57
Seit 1943 hatte die Motivationsforschung natürlich nur unwesentliche neuere Erkenntnisse. Davon abgesehen, was war jetzt eigentlich die Message?
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