Browser lösen Betriebssysteme ab

«Das wahre Ziel ist es, das Betriebssystem zu attackieren.» (stock.xchng)
Joseph Reger, Chief Technology Officer (CTO) des Computerherstellers Fujitsu Siemens Computers (FSC), ist der Meinung, dass Browser in Zukunft die zentrale Applikation auf einem Rechner sein werden und damit in Konkurrenz zum Betriebssystem treten. Applikationen werden künftig zum Grossteil auf Servern laufen und nicht mehr lokal am Rechner (Software-as-a-Service SaaS). «Der Browser wird in diesem Umfeld zum Client sowie zum zentralen Programm, das User bei der Arbeit am Computer benutzen. Das Betriebssystem selbst rückt dabei zunehmend in den Hintergrund», so Reger an der FSC-Hausmesse VISIT in Augsburg, die jüngst stattfand (hier findet sich das PDF seiner Keynote). Die Zukunft von PC-Anwendungen liegt für Reger also im Browser beziehungsweise damit verbunden im Cloud Computing. Dabei betreiben die Anwender einer Software die Applikationen und die dazu notwendige Hardware (Server etc.) nicht mehr selbst, sondern beziehen diese über einen Anbieter, der beides für ihn und andere Nutzer betreibt.
Für die Weiterentwicklung der verschiedenen Browser wie Firefox, Opera oder Chrome werden Milliarden ausgegeben. Der Anspruch dabei ist jedoch nicht, die Vorherrschaft des Internet Explorers zu brechen. «Das wahre Ziel ist es, das Betriebssystem zu attackieren und den Browser selbst zum Betriebssystem zu machen», führt Reger aus. Denn für die von Usern am häufigsten genutzten Anwendungen sei Windows, Mac OS oder Linux gar nicht mehr nötig. E-Mails, Fotos, Instant Messaging, Suchanwendungen oder Musikwiedergabe erfordern kein Betriebssystem, sondern können allein über den Browser aufgerufen und ausgeführt werden.
Google will mit Chrome mitmischen
Reger ist davon überzeugt, die Bestrebung, Betriebssysteme ablösen zu wollen, «ist auch einer der Gründe hinter Googles Entwicklung von Chrome.» Das sei auch daran zu erkennen, dass Chrome ein Speichermanagement integriert habe. «Das ist neu bei einem Browser. Die Verwaltung der Speichernutzung ist eigentlich eine klare Aufgabe des Betriebssystems.» Bislang konnten Browser nicht mit Dateisystemen umgehen. Die neuste Version von Opera zum Beispiel versteht das Filesystem und übernimmt somit eine weitere Aufgabe des Betriebssystems.
SaaS in Kombination mit Cloud Computing ermöglicht also einen schnellen Start des Systems, wobei alle Services und Applikationen auf einem Server verfügbar sind und lokal im Browser ausgeführt werden.
Erste kommerzielle Anwendungen
Bereits seit einiger Zeit machen es Technologien wie das von Asus entwickelte Splashtop möglich, Anwendungen wie Browser, IM oder E-Mail zu starten, ohne dazu das Betriebssystem hochfahren zu müssen. Dies ermöglicht den raschen Zugriff auf diese Applikationen. Dabei kommen spezielle Versionen der Browser Firefox oder Opera zur Anwendung, die auf das schnelle Surfen ohne Bootvorgang ausgelegt sind.
Quelle: pte
» Drucken 17.11.2008 09:23
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