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Kummer: Blow Up

Kummer: Blow Up

Der Schweizer Tom Kummer fälschte jahrelang Star-Interviews. Jetzt lehrt er die Reichen in Santa Monica Tennis und erzählt in «Blow up» seine (wahre) Geschichte. Er hat sie ja tatsächlich alle getroffen. Er hörte sich die Geschichten von Sharon Stone und Nicholas Cage an. Die aber schienen ihm irgendwie zu wenig spannend, zu wenig abgedreht. Also legte er ihnen Antworten auf Fragen in den Mund, die er ihnen gar nicht gestellt hatte. Die Medien flogen prompt auf diese spektakulären Interviews. Alle druckten sie seine «Interviews», so auch die Magazine der «Süddeutschen» oder des «Tagesanzeigers». Damals, Ende der 1990er. Bis er schliesslich aufflog.

Seither ist es ruhig um den gebürtigen Berner geworden. Kummer lebt mit seiner Frau Nina und zwei Kindern in einer ehen miesen Gegend in Los Angele und unterrichtet im noblen Jonathan Club in Santa Monica die Reichen und Schönen Tennis. Sich selbst nennt er sich in seinem Buch «einen Fall». Man hat manchmal sogar den Eindruck, er meint es ernst.

Zu seiner Verteidigung bringt er vor, es hätte doch auffallen müssen (Pamela Anderson spricht über Literatur). Zudem hätten die Redaktionen die Interviews genauso gewollt, obwohl er nie den geringsten Zweifel daran gelassen habe, «dass man sich nicht bedingungslos auf mich verlassen sollte, dass es Brüche in meinem System gab und dass ich Abgründe attraktiv fand.»

Fazit

Den Teufelskreis, in dem er sich gefangen sah, beschreibt er in «Blow up» äusserst glaubwürdig. Was an seiner Geschichte aber nun wirklich wirklich ist, weiss wohl nur Kummer selbst. Lesenswert ist sie allemal.

Der Autor

Tom Kummer begann seine journalistische Karriere 1980 als Film- und Fernsehkritiker beim Berner «Bund». 1983 zieht er nach Berlin, studiert Kunstgeschichte und spielte in der Tennis Bundesliga-Mannschaft von Rot-Weiss Berlin. 1988 wird Markus Peichl auf Tom Kummer aufmerksam. Er heuert ihn als Reporter bei der legendären «Tempo» an. 1993 zieht er nach Los Angeles wo er als Korrespondent und Star-Interviewer arbeitet. Bis 2000 veröffentlicht Kummer Reportagen, Interviews und Essays in allen grossen deutschsprachigen Publikationen. Seine gefakten Interviews und Reportagen aus Hollywood werden in zwölf Sprachen übersetzt und in 32 Publikationen weltweit publiziert.

Morgen, 15.05.07 liest Kummer um 20 Uhr im Thalia in Bern.

Tom Kummer: «Blow up», München (Blumenbar) 2007, 272 Seiten.

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» Drucken 14.05.2007. 10:04

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