Nintendo: Closed Source unter Beschuss

Michael Gisiger

Eliminate DRMNintendo hatte in Frankreich dem Hersteller alternativer Flashkarten für die DS, der Divineo Group, per Gericht verbieten wollen, diese Karten weiter zu vertreiben. Ein Pariser Richter erteilte diesem Anliegen nun eine Abfuhr und kritisierte gleichzeitig die Geschlossenheit der Minikonsole. Der Richter war der Ansicht, das System solle es wie zum Beispiel Windows auch Drittparteien ermöglichen, Hard- und Software zu entwickeln. Nintendo sperre absichtlich fremde Entwickler aus, so dass diesen kaum eine andere Wahl bleibe, als das System zu hacken. Mittlerweile gibt es jedoch schon brauchbare Open Source-Alternativen.

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Die alternativen Steckkarten, die ohne Lizenzierung durch Nintendo von mehreren Herstellern angeboten werden, sind dem Konsolenhersteller natürlich ein Dorn im Auge. Denn neben alternativer legaler Software, die für die Konsole sonst nicht erhältlich wäre, werden die Flashkarten auch für illegale Kopien eingesetzt. Unter anderem umgehen diese Karten Nintendos DRM-System.

Umgehung von DRM kein schweres Vergehen

Die aktuelle Pariser Entscheidung ist bereits das zweite Mal, das Nintendo bei diesem Thema vor Gericht abgeblitzt ist. Denn bereits im November hat ein spanisches Gericht sich im Fall gegen den Anbieter Movilquick nicht für zuständig erklärt und festgehalten, dass die Umgehung von Nintendos DRM-System auch für legale Zwecke genutzt werden kann. Der Umstand, dass Nintendo gewisse Funktionalitäten bei seiner Konsole nicht anbiete, sei kein Grund, warum andere diese Erweiterung nicht anbieten dürfen. Die patent- und markenrechtliche Situation wollte das Gericht zu dem Zeitpunkt nicht beurteilen und verwies in dieser Sache an das Zivilgericht.

Sollten die Urteile standhalten, sind die Auswirkungen (auf Europa) noch nicht absehbar. Denn wenn Spielehersteller am Lizenzmodell von Nintendo vorbei ihre Spiele entwickeln können, wird damit das Konsolen-Geschäftsmodell von Nintendo (Lizenzeinnahmen von den Entwicklern) und möglicherweise auch anderer Hersteller in Frage gestellt.

Alternative: Open-Source Spielehandheld Pandora

Der von OpenPandora entwickelte Linux-basierte Spielehandheld Pandora bietet hier eine geeignete Alternative. Das Gerät kommt mit einem 4,3 Zoll Touchscreen mit 800 x 480 Pixel und einem Keyboard mit 43 Tasten daher. Herz des Geräts ist ein ARM-Cortex-A8-Prozessor mit nominell 600 MHz. Zum Vergleich: Die PSP von Sony läuft mit 333 MHz. Als Betriebssystem setzt die Pandora auf eine Abwandlung der Linux-Distribution Ångström und kann daher ohne weiteres auch als Kleinst-Netbook mit Desktopoberfläche und den wichtigsten Anwendungen genutzt werden. Spiele und Programme wird jedermann ganz einfach installieren können: herunterladen, auf eine SD-Karte kopieren, fertig. Kein DRM-Firlefanz, nichts. Schliesslich wird die Software quelloffen sein.

Pandora Spielehandheld

Die erste Serie von 4'000 Stück kam für Euro 299.- in den Handel. Das Projekt wurde von einem Kernteam aus fünf Mann und einer grossen Community ohne Kreditfinanzierung gestemmt. Im deutschsprachigen Raum ist die Pandora-Konsole u.a. hier erhältlich, nach ASuslieferung des ersten Batches derzeit aber wiederum nur noch vorbestellbar.

Quelle: pte


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