Gestern hat sich wieder einmal ein Mainstream-Medium mit der Blogosphäre befasst: In der «SonntagsZeitung» erschien ein Artikel von Peter Sennhauser mit dem vielsagenden Titel «Schwätzer gegen Wadenbeisser» (im Volltext online - immerhin). Der Beitrag trägt den Untertitel «Warum Journalisten Blogger ignorieren, und was beide voneinander lernen könnten». Die Schlagzeile hält nicht ganz, was sie verspricht.
Sennhauser ist Journalist in San Francisco. Aber er ist auch Blogger, denn er ist so nebenbei auch der redaktionelle Leiter der Hogenkamp'schen Blogwerk AG in Zürich. Letzteres Netzwerk unterhält derzeit vier Blogs zu den Themen Medien, Gadgets und Selbstmanagement - will also über kurz oder lang mit Bloggen wirklich Geld verdienen. Der Mann kennt also die Materie, könnte man meinen. Zugegeben, er wird sie wohl auch kennen, aber zu mehr als Allgemeinplätzen hat es dann doch nicht gereicht. Wir wollen aber nicht so sein, es wird wohl daran liegen, dass «Zeitdruck, Platz- oder Sendezeitmangel» bei der tamedia-Sonntagszeitung mehr gar nicht zulässt.
Dilettanten und das hohe Ross
Zunächst holt Sennhauser zum üblichen Rundumschlag (Blogger sind «Dilettanten», die sich um «Kollateralschäden» wie Presserecht, Anspruch auf das eigene Wort, Schutz der Privatspäre etc. nicht scheren) eines Journalisten aus, wird dann aber als Vertreter eben jender Zunft überraschend selbstkritisch: «Medien zitieren sich gegenseitig nur, wenn sie müssen, und Journalisten kritisieren Berufskollegen am liebsten gar nicht. [...] Hier zu Lande lesen die wenigsten Journalisten Blogs, und Kommentare zu hinterlassen, kommt aus Gründen der Distanzwahrung und aus Furcht vor dem eigenen Arbeitgeber nicht in Frage. Medienleute scheuen die öffentliche Diskussion. Und Kritik mögen sie schon gar nicht.» Und genau der Sturz von diesem hohen Ross wird ihnen das Genick brechen.
Mein Fazit: Vom Autor hätte ich mehr Substanz erwartet (siehe dazu auch hier im Wortgefecht, sogar mit Kommentaren von Sennhauser), von der Zeitung nicht. Wirklich erstaunt bin ich über die beiden kräftigen Seitenhiebe gegen die Gratiszeitung «20 Minuten» und das «Magazin». Beides Titel aus demselben Hause tamedia. Will man da etwa nach der Einstampfung von «Facts» (ebenfalls tamedia) die verlagsinterne Konkurrenz madig machen, um sich eine bessere Ausganslage zu schaffen?
» Drucken 09.07.2007. 11:26
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