Vertrauenswürdige Zeitung
Obwohl beinahe täglich Zeitungen sterben, fühlt sich Zimmermann in seiner aktuellen Kolumne dazu berufen, doch einen Nachruf auf einen kürzlich zum letzten Mal erschienenen Printtitel zu schreiben: die «Weekly World News». Das vollständig in Schwarz/Weiss gehaltene Boulevardblatt aus den USA, welches sich selbst als die «einzige verlässliche Zeitung der Welt» betitelte, erschien am 27. August zum letzten Mal:
«Wenn man schon einen Nekrolog auf eine Zeitung oder Zeitschrift schreibt, dann muss es eine ganz aussergewöhnliche Zeitung oder Zeitschrift sein. Das ist heute der Fall. Wir wollen uns gemeinsam erheben und der zauberhaften Weekly World News gedenken. Sie wurde knapp 30-jährig.»
Die WWN, die zu ihren besten Zeiten eine wöchentliche Auflage von 1.2 Mio. erlebte und an allen Supermarktkassen in den USA erhältlich war, war der Inbegriff des Boulevards, immer exklusiv, immer «human interest».
«Die Weekly World News war so etwas wie die Traumredaktion eines jeden Journalisten. Alle ihre Artikel waren von gnadenloser Exklusivität, alle ihre Storys von berauschendem Sensationsgrad. In der Weekly World News lasen wir beispielsweise als Erstes die Story, dass Hillary Clinton einen Ausserirdischen adoptiert hatte. [...] Die berühmteste Schlagzeile der WWN war die Schlagzeile, die jeder anständige Journalist auf dieser Welt als finale Headline verehrt: «Elvis lebt!» Die Schlagzeile schaffte es jedes Jahr mindestens einmal auf die Titelseite»

Das Blatt hielt sich nicht lange damit auf, wie andere Zeitungen einfach die Lügen anderer zu verbreiten - man erfand die Geschichten gleich reihenweise im eigenen Haus:
«Das Besondere an der Weekly World News war die Herkunft ihrer Journalisten. Viele von ihnen hatten bei renommierten Zeitungen gearbeitet und kannten die üblichen Methoden und Marotten der Branche aus dem Effeff. Auch wenn sie sich der Maxime des Blattes innig verpflichteten («Never let the truth spoil a good story»), so waren sie in der Blattmache immer hochprofessionell. Viele Leser glaubten ihren unüblichen Erfindungen mehr als den üblichen Lügen der anderen Blätter.»
Eingeholt wurde die WWN schliesslich doch von der Realität, die die erfundenen Schlagzeilen mittlerweile regelmässig zu überbieten vermag.
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Drucken | 06.09.2007 08:44
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