Verleger ist nicht gleich Verleger

Diese Woche, feiertagsbedingt etwas früher, nimmt sich Kurt W. Zimmermann in seiner Medienkolumne in der «Weltwoche» Rupert Murdoch und das «Wall Street Journal» vor. Für Zimmermann bestehen gewaltige Unterschiede zwischen Murdoch, der etwas von Publizistik versteht, und anderen Verlegern:

«Mit seinem Stil ist Murdoch ziemlich allein. Die meisten wichtigen Verleger dieses Planeten können einen guten Text nicht von einem mässigen Text unterscheiden. Und sie rufen auch nie ihre Chefredaktoren an, wenn sie eine Idee für eine gute Story haben, falls sie denn überhaupt eine Idee hätten.»

Grosse Verlegern seien immer mehr als nur Geschäftsleute. Vielmehr verfolgen sie immer auch eine «gesellschaftspolitische Zielsetzung». Zimmermann nennt die folgenden Beispiele: Katharine Graham («Washington Post») und Springer (Vierpunkteprogramm). Aber beim Underdog Murdoch sei es etwas anders:

«Als ehemaliger Underdog aus Australien hat Murdoch bis heute einen populistisch-klassenkämpferischen Beissreflex gegen die Upper Classes und ihre Privilegien beibehalten. Die meisten von Murdochs Blättern sind gegenüber Würdenträgern folgerichtig äusserst republikanisch-respektlos. In England schlägt sich dies in einem Dauerbeschuss des Königshauses nieder. In den USA unterstützt Murdoch die Demokratin Hillary Clinton.»

Und in der Schweiz? Wegen der kleinräumigen Medienlandschaft finden sich laut Zimmermann kaum herausragende verleger. Sein Beispiel Michael Ringier kann m.E. nicht überzeugen. Doch zurück zu Murdoch und dem «Wall Street Journal»:

«Für Rupert Murdoch wäre der Kauf des Wall Street Journal natürlich eine besondere Sache. Er könnte damit eine Monstranz der East Coast quasi ins proletarische Lager entführen. Wir finden, es könnte nicht schaden, wenn auch dieses Blatt jemandem gehört, der einen guten Text von einem mässigen Text unterscheiden kann. Murdoch lässt seinen Journalisten zwar Freiraum, aber er gibt die grossen Linien vor. Alle grossen Verleger haben dies zu allen Zeiten so gehalten.»

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| Artikel drucken Drucken | 16.05.2007 12:32

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