Trotz FACTS kein CASH gemacht
Das Thema der aktuellen «Weltwoche»-Kolumne von Zimmermann bot sich geradezu an: Die Einstellung der beiden Printtitel «FACTS» und «CASH». Unter dem Titel «Hokuspokus verschwindibus» schreibt Zimmermann genüsslich einen polemischen Abgesang auf die Unternehmenskulturen von tamedia («FACTS») und Ringier («CASH»):
«Wenn allerdings ein ganzer Markt implodiert, ist es interessant, seine Historie zu untersuchen. Es wird eine nette Story über Unternehmenskulturen. Cash und Facts, dies vorweg, machten seit Jahren keinen guten Journalismus mehr. Sie waren fad und öd geworden. Ihre Parallele ist, dass ihre Mutterhäuser absichtlich dafür gesorgt hatten, dass sie fad und öd wurden.»
Laut Zimmermann seien beide Titel mit dem Anspruch gestartet, gegen den in den 1990er-Jahren herrschende Mainstream der «Tabubegriffe wie Sozialstaat und Solidarität» anzutreten. Zudem haben sich beide Blätter anfangs nicht gescheut, Würdenträger in Wirtschaft und Politik zu ärgern.
«Beide hatten schnellen Erfolg. Cash erreichte bald eine Auflage von über 70'000, Facts von über 100'000. Also hatten sie auch Erfolg im Werbemarkt. Beide verkauften noch im Jahr 2000 über 2200 Inserateseiten. Hätten sie dieses Niveau gehalten, sie hätten auf Dauer Millionen verdient. Doch dann brachen Auflagen und Anzeigen zusammen. Was geschah? Beide Blätter wurden hausintern publizistisch ruiniert.»
Bei Ringier wirkten die Kämpfer gegen den «Neoliberalismus» (Frank A. Meyer), bei der tamedia waren es die Bedenkenträger der «Tages-Anzeiger»-Redaktion. In beiden Verlagen siegten diese Kräfte und zogen den Titeln die Zähne.
«Beide Verlage erkannten spät, was sie angerichtet hatten, und investierten zuletzt noch einmal finanziell und personell in ihre Marke. Too late. Sie hatten nicht die Kraft und das Können für eine journalistische Kehrtwende. Es zeigte sich der generelle Branchentrend, wonach publizistische Kompetenz keinen hohen Stellenwert in der Führung von Medienunternehmen mehr hat.»
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Drucken | 28.06.2007 09:21
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