Sexappeal
Diese Woche befasst sich Zimmermann in seiner «Weltwoche»-Kolumne mit dem immer wieder auftretenden Phänomen des Industriellen, der sich ein Medienunternehmen zulegt. Aktuell in der Schweiz sind dies die Herren Behr (Celltec, Bircher, Cellpack), Ziegler(Elma, Schlatter, Swisslog) und Rihs (Phonak). Letztere investieren in die neue Gratiszeitung «.ch» des PR-Manns Wigdorovits, Behr in das geplante Schweizer Sportfernsehen. Doch warum tun Unternehmer dies immer wieder gerne?
«Richtig ist, dass Medien sexy sind. Sexy wie die Macht. Sie ziehen darum einen Typus mit speziellen Charakterzügen an. Wenn man es negativ sagen will, nennt man es Eitelkeit, wenn man es positiv sagen will, nennt man es Passion.»
Der skandalträchtigste Financier der 1980er-Jahre Werner K. Rey kaufte 1987 den Jean Frey Verlag (u.a. «Weltwoche»), 1991 verkaufte er sie weiter an Beat Curti. SVP-Bundesrat Blocher besass zehn Jahre lang das «Bündner Tagblatt»
«Rey, Curti und Blocher sind schillernde Figuren. Sie passen in ein Bild des medialen Quereinsteigers, das vor allem von romanischen Ländern geprägt ist. Dort gehört es zum guten Ton, dass Grossunternehmer ins Mediengeschäft vordringen. Bauunternehmer Silvio Berlusconi etwa schmückte sich mit Canale 5, Rete 4 und Mondadori. Olivetti-Besitzer Carlo De Benedetti übernahm dafür La Repubblica und L'Espresso. In Frankreich kaufte der Rüstungsunternehmer Jean-Luc Lagardère den Radiosender Europe 1 und baute darauf ein Medienhaus mit 13 Milliarden Euro Umsatz auf. Baulöwe Francis Bouygues holte sich TF1. François Pinault von Renault und Gucci leistete sich das Newsmagazin Le Point. Bernard Arnault, Hauptaktionär des Luxuskonzerns LVMH, ist daran, sich die Wirtschaftszeitung Les Echos zuzulegen.»
Für Zimmermann ist es aber nicht alleine der Sexappeal der Medien, den die Investoren antreibt. Schliesslich gehören Medienunternehmen allen Unkenrufen zum Trotz immer noch zu den rentableren Branchen. Erfolgreiche Unternehmer sind ja nicht erfolgreich, weil sie immer auf das falsche Pferd setzen:
«Gutgeführte Medienhäuser kommen im internationalen Schnitt auf eine Umsatzrendite von 9 bis 15 Prozent. Der Schweizer Spitzenreiter Tamedia liegt bei 13,6 Prozent. Das ist sehr respektabel, wenn wir mit anderen Industrien abgleichen. Die niedrigsten Umsatzrenditen weisen Firmen auf, die im Massengeschäft operieren. Migros und Kuoni kommen nur auf 3 Prozent. Industrieunternehmen mit längeren Wertschöpfungsketten haben höhere Margen. ABB etwa steht bei 6 Prozent, Rieter bei 7. Ungefähr im Bereich erfolgreicher Medien liegen Unternehmen mit vergleichbar starken Marktstellungen. Nestlé liegt bei 13 Prozent, genauso wie die Post. Deutlich besser als Verlage performen nur Stars wie Swatch, Roche und Novartis.»
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Drucken | 12.07.2007 09:57
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