Schweizer Exoten

Diese Woche zieht Zimmermann in seiner «Weltwoche»-Kolumne - in meinen Augen berechtigt - über die Schweizer Verlage und ihre fehlende Internetstrategie her. Während sich im Ausland die Medienindustrie hektisch gewissermassen ins Internet «einkauft», werden hierzulande munter weiter Bäume gefällt und verarbeitet:

«Rupert Murdoch erwirbt für Unsummen die Community-Site MySpace, will nun bei Yahoo einsteigen und mit dem Kauf von Dow Jones einen digitalen Wirtschaftskanal schaffen. Burda steckt Hunderte von Millionen in Video- und Spielportale. Springer investiert unter dem Slogan «Online first» gross in Internetshopping. Skandinavier wie Schibsted bauen teure elektronische Rubrikenmärkte. Google kauft für zwei Milliarden die Videoplattform Youtube. [...] Damit wären wir in der Schweiz, und es ist hochinteressant zu sehen, was sich hier tut. Die Verlage überschlagen sich derzeit in einer Anbauschlacht von Zeitungen, neue Gratiszeitungen aller Art, neue Sonntagszeitungen aller Art.»

Abgesehen vom Onlineauftritt des «20 Minuten» böten Schweizer Verlage keine konkurrenzfähigen Seiten. Zimmermann erwähnt leider den neuen Auftritt des «Magazins» nicht - aber dieser ist wohl gerade wegen seinem guten Ansatz nicht massentauglich. Es sei eben schon seltsam, alle

«Medienhäuser weltweit haben in den letzten Jahren viel Geld verdient. Sie verdienten es in ihrem Stammgeschäft. Das verdiente Geld investieren sie nun in ihr Zukunftsgeschäft. Die meisten internationalen Medienkonzerne wollen ums Jahr 2010 etwa 25 bis 40 Prozent ihres Umsatzes im Internet erzielen.»

Nur in der Schweiz, da pflegt man munter weiter den Sonderfall und investiert das verdiente Geld weiter ins Stammgeschäft. Online will man maximal 10 Prozent des Umsatzes holen. Mit dieser Internetskepsis bilden sie eine international einzigartige und exotische Ausnahme. Füs Zimmermann gibt es folglich nur zwei Möglichkeiten:

«Entweder haben die Schweizer Verlage recht, und alle andern sind blöd. Oder alle andern haben recht, und die Schweizer sind blöd.»

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| Artikel drucken Drucken | 05.07.2007 08:36

PS_p-s on 10.07.2007 14:44

Wie bereits erwähnt: Sobald auf www.lokalnews.ch das Forum eingerichtet ist, könnten «wir» uns auch in der Schweiz über eine Entwicklung des -- in diesem Falle (ultra-)lokalen -- Journalismus zuwenden.

lokalnews.ch
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