Quereinsteiger
Diese Woche befasst sich Kurt W. Zimmermann in seiner Medienkolumne der «Weltwoche» mit den Quereinsteigern im Journalismus. Sein Fazit: Zumindest in der Schweiz scheitern diese jeweils kläglich. Während Quereinsteiger in Politik und Wirtschaft oft «ein Gewinn» seien, ist ihnen auf den (Chef-)Redaktorsposten jeweils der Erfolg verwehrt:
«Ein schönes Beispiel haben wir beim Tages-Anzeiger eben erlebt. Im letzten Sommer wurde dort unter grossem Traritrara der neue Kulturchef Andrea Raschèr installiert. Raschèr war zuvor Chef des Fachbereichs Recht & Internationales beim Bundesamt für Kultur. Inzwischen ist er längst wieder weg, abgeschlichen durch die Hintertür. Raschèr war mit der journalistischen Kultur nicht klargekommen.»
Weiter auf der Liste der furios Gescheiterten figurieren: Die TV-Kulturchefs Iso Camartin (vorher Professor für Literatur) und Alex Bänninger (früher Chef der Sektion Film im Departement des Innern), Monika Kaelin («Unterhaltungsnudel») als Chefredaktorin bei der «Glückspost» und - so prognostiziert es Zimmermann - demnächst auch Ex-TV-Mann Kurt Felix beim «SonntagsBlick».
Soweit, sogut. Auch Zimmermanns Begründung ist an sich schlüssig:
«Die wichtigste Arbeit von redaktionellen Führungskräften besteht deshalb darin, das permanente Eigeninteresse der Journalisten immer wieder dem Allgemeininteresse des Publikums zu unterjochen. Das ist ein harter und oft zermürbender Job. Es gibt darum keinen richtig guten Chefredaktor in diesem Land, der auf seiner Redaktion beliebt ist. Was wir hier beschrieben, wissen Quereinsteiger nicht.»
Aber vielleicht hatte Monika Kaelin ja doch Recht, mit ihrer Antwort in einem Interview zu Beginn ihrer 30 Tage währenden Karriere als Chefredaktorin:
«Okay, ich merke, Sie Journalist scheinen Mühe zu haben, dass ich als Quereinsteigerin gleich zur Chefredaktorin aufsteige.»
Journalisten der alten Schule sind selbstgefällige und selbstreferentielle Mimöschen. Ihr «Eigeninteresse» ist weniger der «kritische Journalismus» als sie selber und ihr Selbstbild vom besserwisserischen Gatekeeper.
Weiter von Interesse in der aktuellen «Weltwoche»: Roger Schawinski im Gespräch mit Bundesrat Christoph Blocher und ein Portrait von Rupert Murdoch (nur für Abonnenten).
» Kommentare (0) | 01.03.2007 09:36
NZZ Medienbeilage vom 23.02.07
Die heutige Medien und Informatik-Beilage der «NZZ» widmet sich unter anderen den folgenden Themen:
Plakate stinken nicht
ras. geht der Frage nach Sinn oder Unsinn von Werbeverboten nach. Neben den bereits weit verbreiteten Werbeverboten für Tabak und Alkohol thematisiert der Beitrag auch die geplanten Verbote für "Junkfood" in Grossbritannien.
Die «langweilige» Seite der Werbung
Neben den kreativen Werbern finden sich auch die stillen Schaffer: Die Mediaagenuren. Karl Lüönd portraitiert die älteste Agentur der Schweiz, die vor 25 Jahren gegründet wurde.
Einführung ins Reich des Scheins
SRM. rezensiert die beiden Standardwerke zum Fernsehjournalismus: «Fernsehjournalismus» von Ordolff und «Fernseh-Journalismus. Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis.»
von Schult/Buchholz.
Weitere Themen
+++ Bioinformatik +++ Erfinder der Fernbedienung gestorben +++ Migranten in den Medien +++ Die BBC Webseite und Werbung +++ Wirbel um «Vanity Fair»-Artikel +++ Neue Benutzeroberfläche von Office 2007
Filmkritiken vom 23.02.07
+++ «Mittendrin» von Salome Pitschen +++ «Ghost Rider» von Mark Steven Johnson +++ «The Good Shepherd» von Robert De Niro +++ «Pans Labyrinth» von Guillermo del Toro +++ «Letters from Iwo Jima» von Clint Eastwood
» Kommentare (0) | 23.02.2007 09:55
Zeitschriften sind Unternehmungen
In der aktuellen Medienkolumne der «Weltwoche» (online nur für Abonennten) befasst sich Kurt W. Zimmermann mit dem Phänomen Luxus, genauer gesagt der journalistischen Darstellung desselben. Oder sollte man sagen, der pr-gesteuerten Berichterstattung? Aufhänger ist die neue Monatsbeilage der «NZZ» mit dem schlichten Titel «Z». Diese ist nämlich die erste regelmässige Publikation in der Schweiz, die sich ausschliesslich mit dem Luxussegment befasst. Dies alles natürlich so, wie es in den unzähligen Magazinen aus Deutschland dieser Art üblich ist:
«Die Redaktion, was wir sehr praktisch finden, stellt zudem neben die Berichterstattung über die Produkte von Prada, Vitra, Akris, Cartier, Hermès, Jaguar, Jil Sander, Minotti, Burberry, Gucci und Calvin Klein immer gleich auch die Bezugsadressen für die Produkte von Prada, Vitra, Akris, Cartier, Hermès, Jaguar, Jil Sander, Minotti, Burberry, Gucci und Calvin Klein.»
Nichts verwerfliches also, schliesslich ist es das, was sich der moderne Medienkonsument vorstellt unter Information. Nur gewisse Journalisten und Redaktoren der älteren Generation - die laut Zimmermann in der Schweiz immer noch in der Mehrheit sind - sehen das anders. Für sie ist das schlicht interessengebundene PR. Darum, so Zimmermann, gab es in der kaufkräftigen Schweiz bisher keine Luxus-Magazine. Einfach, aber einleuchtend.
«Es ist dies eine der interessantesten Veränderungen in der Medienrezeption der letzten zwanzig Jahre, fast schon ein Kulturwandel. Was Journalisten als PR empfinden, empfinden Konsumenten als Information.»
So ist es. Man mag da bedauern oder nicht - es ist eine Tatsache.
Der schlichte weil eigentlich logische Titel dieses Postings ist übrigens ein Auszug aus einem Zitat von Ulrike Meinhof (RAF-Terroristen sind ja gerade wieder en vogue):
«Zeitschriften sind Unternehmungen, die Anzeigenraum produzieren als Ware, die durch den redaktionellen Inhalt absetzbar sind.»
» Kommentare (0) | 22.02.2007 12:44


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