Öffentliche Ankläger
In seiner aktuellen «Weltwoche»-Kolumne geht Zimmermann im Zusammenhang mit der Swissair-Gerichtsposse hart ins Gericht mit der Journaille. Dabei zeigt er die seiner Meinung nach offensichtliche Wesensverwandtschaft der Journalisten mit den Staatsanwälten auf:
«Die Solidarisierung der Journaille mit den Swissair-Anklägern zeigt eine interessante Facette des journalistischen Berufsbildes auf. Journalisten und Untersuchungsbehörden sind in hohem Masse wesensverwandt. Viele Journalisten sehen sich als Staatsanwälte der Gesellschaft. Sie verstehen sich als Ankläger von Fehlentwicklungen in Politik, Wirtschaft und Sport.»
Urvater dieser Spezies der Journalisten ist, so Zimmermann Emile Zola, der mit seinem Artikel «J'accuse» 1898 die Dreyfus-Affäre in Frankreich ins Rollen brachte. Dieser anklagende Journalismus hat zwar seine guten Seiten, aber die falschen Anklagen überwiegen:
«Ebenso natürlich ist, dass in den Medien die falschen Anklagen ungleich häufiger sind als jene der zutreffenden Vorhaltungen. Ein schönes Beispiel haben wir soeben erlebt. Der ehemalige Geheimdienstchef Peter Regli wurde vollumfänglich rehabilitiert. Wenn wir wiederum in unsere Mediendatenbanken blicken, so können wir eine statistisch aufschlussreiche Bilanz ziehen. Es erschienen insgesamt ein Dutzend kurzer Artikel, die über Reglis Rehablilitierung berichteten. Zuvor waren rund 1200 Artikel erschienen, die seine angeblichen Verfehlungen breit kritisierten.»
In Bezug auf die aktuellen 19 Freisprüche im Swissair-Prozess, in dessen Vorfeld die Medien die Anklage hochjubelten («Es wird deutlich, dass die dritte Gewalt im Staat vor grossen Namen nicht kuscht», Neue Luzerner Zeitung), weiss Zimmermann,
«dass nach den 19 Freisprüchen dann in den Medien der grosse Katzenjammer ausbrach. Im Katzenjammer, wie man weiss, verliert man jeweils jede Loyalität. Seitdem ist Staatsanwalt Christian Weber die grösste Flasche weit und breit. [Blick: «Die Pleite im Swissair-Prozess ist eine von vielen in der Karriere»; d. Verf.]»
Allen öffentlichen Anklägern empfehle ich die Lektüre von John Henry Mackays Roman «Staatsanwalt Sierlin. Die Geschichte einer Rache». Ein wahrer Augenöffner über Sinn und Unsinn solcher Hetzjagden.
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Drucken | 14.06.2007 13:48
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