Knut, the cute zoo-perstar
Diese Woche setzt sich Kurt W. Zimmermann in seiner «Weltwoche»-Kolumne mit der Globalisierung der Medien, genauer des Mainstreams auseinander. Leider zieht er dabei einige falsche Schlüsse. Als Aufhänger muss dazu der aktuelle Hype um «Knut», das Eisbärenbaby im Berliner Zoo, herhalten.
«Die Errettung des zum Tod verurteilten Eisbären war dann natürlich eine gute Story. Die TV-Teams standen zeitweise gleich zu Dutzenden vor dem Gehege. Knut brachte es in die New York Times genauso wie in die Bangkok Post, den Morning Herald in Sydney, die Komsomolskaja Prawda in Moskau und den Blick in Zürich. Die beste Schlagzeile fand wieder einmal die Londoner Sun: «Knut, the cute zoo-perstar».»
Zimmermann stellt die These auf, dass Globalisierung «immer auch Banalisierung» heisst, «Einheitsbrei» an allen Ecken und Enden. «Egal, ob in New York, Bangkok, Sydney, Moskau, Zürich oder London. Das Strassenbild sieht überall gleich aus.» An den Medien ging dieser Trend lange Zeit vorbei, denn die Sprachbarrieren standen einer Globalisierung der Themen im Weg. Erst durch die Zunahme der weltweit operierenden TV-Stationen wie MTV oder CNN und die Verbreitung des Internet soll sich dies schlagartig geändert haben.
«Knut ist nur die Spitze des Eisbergs, bei dem Medienereignisse nun den lokalen Bezug verlieren. Objektiv betrachtet ist ein Bär aus Berlin für einen Leser und Zuschauer in New York oder Bangkok vollkommen irrelevant. Dennoch wird er ihm nicht ausweichen können, weil die Themen in der Industrie immer stärker international ausgetauscht werden. Wenn 20 TV-Stationen aufgesprungen sind, dann steigen zwingend die nächsten 40 ein. Für die nächsten 80 ist es dann erst recht ein Muss. Alles ist Mainstream, der Hype kreiert den Hype. Vor diesem Hintergrund hat sich eine Vielzahl von Medieninhalten etabliert, die völlig losgelöst von lokalen Kulturen funktionieren und die tatsächlich in New York ebenso wie in Bangkok, Sydney, Moskau, Zürich und London interessieren.»
All das ist zwar richtig beobachtet, Herr Zimmermann. Nur eines kann ich so nicht beobachten: «Alles ist Mainstream, lokale Labels und lokale Identitäten gehen verloren.» Wenn irgendetwas wirklich boomt in letzter Zeit, dann ist es ein neues «Going local» der Konsumenten. Die Banalisierung durch die Globalisierung hat nämlich auch eine Kehrseite, die Globalisierung des Lokalen. Ich kann mir heute im Netz Artikel besorgen, die früher in unseren Läden nie zu kaufen waren. Die Analogie zum Medienmarkt liegt auf der Hand: Online kann man heute (lokale) Berichterstattung aus nahezu allen Weltgegenden und -anschauungen lesen, die früher von den Gatekeepern hierzulande einfach ausgesiebt werden konnten. Weil die MSM jedem Hype hinterherhecheln, etablieren sich alternative Angebote.
Aber zurück zu Knut. Hier stellt Zimmermann die richtige Prognose:
«Globalisierte Tiere können in diesem Zirkus aus biologischen Gründen nur kurzzeitig mithalten. Denn die Viecher fressen. Sie werden grösser und fetter und verlieren den Kuscheleffekt. [...] Die Viecher werden grösser und das Interesse der Medien kleiner. Auch für Freund Knut können wir keine gute Prognose stellen. Als er geboren wurde, wog er 810 Gramm. Bei Redaktionsschluss waren es bereits 15 Kilogramm.»
» Drucken 12.04.2007 11:54
Lupe on 12.04.2007 15:35
na ja, hätte mich auch gewundert, wenn ein weltwoche-artikel total die richtigen schlüsse ziehen würde.
:-)
aber vielleicht ist dieser kurt w zimmermann ja verwandt mit dem aktenzeichen xy modera-tor, der auch immer schlüsse aus "fällen" ziehen musste.
:-)
gis on 13.04.2007 09:21
Nun ja, eigentlich bin ich ganz zufrieden, sowohl mit der WeWo im Allgemeinen, wie auch mit Zimmermanns Kolumne im Speziellen. Zimmermann bewegt sich wenigstens abseits der sonst im Medienjournalismus so verbreiteten selbstreferentiellen und -verliebten Schreibe.






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