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Jämmerliche Schweizer Verleger

Nüchtern und polemisch zugleich rechnet Kurt W. Zimmermann diese Woche in der «Weltwoche» mit den Schweizern Verlegern ab. In der Schweiz kontrollieren die Verleger nicht nur den Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt, sondern auch den Markt der Regional-TV und -Radios. Kommerziell sind sie jedoch mit letzteren nicht gerade erfolgreich: Nur gerade 3.5 % des Radiowerbemarkts. Darum haben sie nun die Vermarktung ausgerechnet an die staatliche SRG delegiert.

Hier beginnt das Sündenregister der Verleger:

«Es ist entsetzlich, welch jammervolle Rolle die Schweizer Verleger einmal mehr spielen. Einmal mehr verkaufen sie für ein paar lächerliche Millionen ihre Seele. Schweizer Verleger würden auch ihre Grossmutter an den Teufel verschachern, wenn ihnen dafür ein paar Batzen im Kasten klingen würden. Unternehmer zu sein, ist eine Haltung. Diese Haltung geht den Medienhäusern völlig ab. Es ist entsetzlich, wie die Verleger mit klebrigen Fingern nach staatlichen Geldern und Geschenken greifen. Sie nennen sich Unternehmer, in Wirklichkeit aber sind sie Kleinkrämer ohne jede unternehmerische Statur, Ethik und Ehre.»

In der Tat, es ist in der Schweiz wirklich jämmerlich, wie die privaten Medienhäuser am Tropf des Staates hängen. Gebührensplitting, subventionierte Zustellung und vieles mehr. Dass dies auch medienpolitisch bedenklich ist, wollen wir ausnahmsweise Aussen vor lassen. Zimmermann zieht Bilanz:

«Wenn wir zusammenrechnen, streichen die stolzen Schweizer Verleger rund 320 Millionen Franken pro Jahr an staatlichen Geldern ein. Ohne diese 320 Millionen bliebe ihnen unter dem Strich nicht viel. Freie Marktwirtschaft sagen sie dem.»

 

+++ Nachtrag vom 09.03.07.

Offenbar interessieren sich doch noch einige Leute für die «Brandreden» in der «Weltwoche» (siehe Kommentare): Heute erschien im persoenlich.com-Newsletter ein Interview zum Thema mit Kurt. W. Zimmermann, nachzulesen hier.

Übrigens, nur so als Randnotiz: Die Kolumne ist auch ein gutes Beispiel für die Selbstbezogenheit des Mainstream-Journalismus. Man schreibe über sich selbst - also die Medien - und bringt sich selber ins Gespräch. Funktioniert natürlich auch blendend in der Blogosphäre...

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» Drucken 08.03.2007. 00:34

2xm on 08.03.2007. 09:06

wer sich in den letzten jahren ein bisschen mit diesem thema auseinander gesetzt hat, weiss das es fast nicht möglich ist, privat ein radio oder ein tv sender zu betreiben. zu klein ist der schweizer markt.

wenn schon gebühren staatlich erhoben werden warum damit ein monopol erhalten?

wer interessiert sich überhaupt noch für die diversen brandreden die regemlässig in der weltwoche veröffentlicht werden? wer ausserhalb des rechten lagers liest die weltwoche überhaupt noch?

ich nicht!

gis on 08.03.2007. 11:37

"wenn schon gebühren staatlich erhoben werden warum damit ein monopol erhalten?"

Weil ein Oligopol nicht besser ist als ein Monopol. Beides bedroht die Medienfreiheit und kann nie im Interesse der Konsumenten liegen.

Das Betreiben eines privaten Radios wird in der Schweiz v.a. durch die vielen staatlichen Auflagen, die den Markteintritt unnötig verteuern, nahezu verunmöglicht. Darum müssen die wenigen Sender, die es gibt, auch alle denselben eintönigen Einheitsbrei spielen. Im Digitalbereich ist es auch nicht besser, da hier die Spartensender allesamt durch die SRG bedient werden. Dass es auch anders ginge im Radiobereich, zeigt ein Blick in die USA. Oder in andere Länder Europas, die in einem kleineren Markt als die Schweiz unzählige landesweite Privatsender aufweisen.

Das alles hat in diesem Fall nichts mit einer Brandrede zu tun...

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