Heuchlerische Selbstzensur
In seiner aktuellen Kolumne in der «Weltwoche» nimmt sich Zimmermann wieder einmal ein aktuelles Thema vor: Die heuchlerische Selbstzensur einiger Medien im Zusammenhang mit der Tour de DopingFrance. Als Aufhänger dient ihm dabei die Blattlinie des «Tages-Anzeigers», der ganz klar für eine Drogenlegalisierung eintritt (was in meinen Augen - das nur so am Rande - auch richtig ist; aber das tut hier nichts zur Sache):
«In der Drogenpolitik belehrt uns der Tages-Anzeiger über 'den Widerspruch einer Leistungsgesellschaft, die legale Drogen wie Nikotin und Alkohol als Genussmittel verharmlost und illegale Substanzen als Suchtmittel diabolisiert'. Der Tages-Anzeiger weiss aber auch: 'Drogenpolitik ist keine Frage der Moral.' Und es erkennt das Blatt: 'Die Doktrin der suchtfreien Gesellschaft ist eine Illusion.'»
Und was hat das mit der Tour zu tun? Ganz einfach, die selbe zeitung beschloss als einzige grössere Zeitung weltweit, die Tour de France in ihren Spalten zu boykottieren und schloss sich damit dem öffentlich-rechtlichen Medienkomplex ARD/ZDF an. Alles nur, weil sich wieder mal ein paar Radsportler illegale Substanzen zugeführt hatten, keine Drogen allerdings, sondern Medikamente, die in der Allgemeinmedizin zur Anwendung gelangen, im Radsport aber verboten sind. Deutliche Worte findet zimmermann zu dieser Inkonsequenz beim «Tagi»:
«In den Medien gibt es nur eine heilige Regel. Es ist die Informationspflicht. Sie sagt, dass Journalisten die Welt unter allen Umständen zu beschreiben haben. Unter allen Umständen, und manche riskieren dafür Folter und Tod. Der Boykott von Journalisten gegenüber Inhalten ist darum in freien Gesellschaften äusserst selten. Denn Boykott ist immer Selbstzensur.»
Und genau jene Heuchler aus Zürich schreien laut, wenn jemand ausserhalb des Presseklüngels zum Medienboykott aufruft. The world according to journalists, sag ich da nur. Zimmermann drückt es so aus:
«Medien sind regelmässig Opfer von Boykotten. Sie sollen domestiziert werden, indem man sie unter Druck setzt, ausgrenzt und isoliert. Es zeugt von einer bemerkenswerten Ignoranz gegenüber historischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen, wenn eine Zeitung vor diesem Hintergrund ins Lager der Boykotteure überläuft. Was der Tages-Anzeiger getan hat, ist eine journalistische Schändlichkeit.» (Links von mir hinzugefügt)
|
Drucken | 02.08.2007 16:31
Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert.


Das Wiki befasst sich mit Social Media und deren Einfluss auf PR, Marketing und traditionelle Medien.
Kommentar schreiben