Einheitsbrei im Radio
Die Übernahme der Radiostation «Radio Energy» durch die Ringier-Gruppe - übrigens ein Novum für Ringier - nimmt Kurt W. Zimmermann in seiner «Weltwoche»-Kolumne zum Anlass, sich über den Schweizerischen Radio-Einheitsbrei auszulassen:
«Der Anlass ist also gut geeignet, sich einmal mit der hiesigen Radiolandschaft zu beschäftigen. [...] Denn Radio ist die langweiligste Mediengattung. Das hat zwei Ursachen. Nirgendwo ist die Dominanz des Staates derart gross. Das ist sterbenslangweilig. Und nirgendwo ist die Kreativität der Medienschaffenden derart klein. Auch das ist sterbenslangweilig, aber die Gründe dafür sind schon wieder hochinteressant.»
Der Staatsfunk DRS bedient 34 Prozent des Marktes. Die 27 privaten regionalen Stationen erreichen gemeinsam noch 25 Prozent. Der Rest geht an ausländische Stationen.
«Den 27 Zwergen ist von Gottvater Staat jeweils ein geografisch exakt definiertes Sendegebiet zugeteilt worden. Das dürfen sie nimmer verlassen. Auf mehr als drei Prozent Marktanteil kommt darum keiner. Diese Zersiedelung macht es natürlich schwierig, an die grossen Werbegelder heranzukommen. Deshalb ist Radiowerbung in der Schweiz im europäischen Vergleich stark unterentwickelt.»
Weil dies so ist, sind alle privaten Stationen mainstream. Denn nur so könne sie überleben. Entscheidend für den Mainstream im Nebenbei-Medium Radio ist die Musik. Und dieser Mainstream wird professionell produziert:
«Alles ist computergesteuert. Die Radio-Manager geben zuerst ihre anvisierte Zielgruppe mit demografischen Kriterien wie Alter, Wohnsituation und Sozialstatus in eine riesige, zentrale Musik-Datenbank ein. Daraus wird eine Playlist generiert, eine Auswahl von rund tausend Musikstücken, die dem Geschmack dieser Zielgruppe entspricht. Parallel dazu engagieren die Radiostationen Branding-Unternehmen wie Coleman Research, Brand Support und Engelmedia, die meistens in Deutschland angesiedelt sind. Die Berater geben dem Mix von Musik und Moderation den letzten Schliff.»
Die Schweizerische Radiolandschaft ist also Einheitsbrei pur - abgesehen von den wenigen alternativen Sendern wie «RaBe» in Bern oder «Radio X» in Basel. Letztere sind aber keine wirklichen Alternativen, da ihr Sendegebiet noch enger gefasst ist als dasjenige der kommerziellen Lokalsender. Auch eine landesweite Lizenz für ein Privatradio würde die Lage nicht verbessern, die in Frage kommenden Stationen sind ebenfalls «Dudelfunk». Zimmermann schreibt dazu treffend: «Radiosender können sich keine Experimente leisten.»
Die Rettung naht, wie so-oft, aus dem Netz. Mein Tipp: «Pig Radio». Aus Italien, alternatives Musikangebot 24/7, ohne nervige Moderatoren, dafür mit Hörerbeteiligung.
» Drucken 26.04.2007 12:41
patrik on 26.04.2007 18:52
Warum Zimmermann keine Silbe über DAB verliert, ist mir ein Rätsel. Wenn alles gut geht, entstehen in den nächsten 18 Monaten rund 20 neue, sprachregionale (! das gab's noch nie von Privaten!) Radios. Immerhin!
gis on 27.04.2007 10:35
Das habe ich mich auch gefragt. Allerdings muss ich aus eigener Erfahrung sagen, dass bei DAB (und DVB-T) der Empfang noch nicht überall problemlos ist.






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