Duell der Gratiszeitungen
Auch Zimmermann beschäftigt sich in seiner aktuellen «Weltwoche»-Kolumne mit dem aufkeimenden Freesheet War in der Schweiz und gibt eine interessante Beobachtung zu Protokoll:
«Klassische Zweikämpfe entstehen in aller Regel durch den Angriff eines Newcomers auf einen Monopolisten. Es folgt dann eine mehr oder minder lange Phase eines Duopols, während deren die beiden Duellanten im Markt rivalisieren. Interessanterweise aber sind die Duopole in der Medienbranche nicht von Dauer. Entweder fällt der Wettbewerb in die Monopolsituation zurück, oder es bilden sich Polypole, indem Dritt- und Viertanbieter in den Markt eindringen.»
So ist es beim «Blick», dem Boulevardblatt, seit 48 Jahren. Die beiden Angriffe auf seine Vormachtsstellung, einer aus dem Hause tamedia («Neue Presse») und einer durch die Migros mit Roger Schawinski («Tat»), waren jeweils nach weniger als zwei Jahren am Ende. Umgekehrt verhielt es sich aber bei der Sonntagspresse:
«Hier erfolgte der Angriff der Sonntagszeitung auf den Monopolisten Sonntagsblick im Jahre 1987. Vierzehn Jahre lang hielt sich die Duellsituation, bis der Sonntagsboom zwingend in ein Polypol überschwappte. Ab diesem Herbst werden fünf Deutschschweizer Sonntagszeitungen in den Briefkästen stecken, dank Marktwachstum ist die Tendenz weiterhin steigend.»
Und wie sieht es nun aus im Markt der Gratiszeitungen in der Schweiz? Jedenfalls wird im Duell zwischen «20 Minuten» und «.ch» laut Zimmermann nicht die Qualität der Blätter entscheiden, sondern wie sich der Markt in Zukunft entwickeln wird:
«Entscheidend ist vielmehr, wie sich der tägliche Gratismarkt entwickelt. Er ist in der Deutschschweiz etwa 120 Millionen Franken stark und fast ausschliesslich vom Platzhirsch 20 Minuten getrieben. Die beiden Seitenwagenfahrer aus dem Hause Ringier, die unentgeltliche Abendzeitung Heute wie das dünne Gratisblatt Cash daily, waren bisher finanzielle Misserfolge. Weil die Werbebranche dem Lemmingeffekt zugetan ist, können wir erwarten, dass der Gratismarkt bald einmal über die Schwelle von 150 Millionen Franken wächst. Das würde bedeuten, dass mittelfristig Platz für zwei morgendliche free sheets ist. Es würde in derselben Lemmingperspektive gleichzeitig bedeuten, dass daneben kein Platz mehr ist.»
Fazit: «20 Minuten» und «.ch» werden sich ein blutiges Duell liefern, dem primär «Heute» und «CASH daily» zum Opfer fallen werden. Mit etwas Glück wird sich der Platzhirsch «20 Minuten» behaupten können. Sacha Wigdorovits ist sich jedoch nie für einen Taschenspielertrick zu schade. Man darf gespannt sein.
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Drucken | 21.06.2007 09:03
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