Die neue Konvergenz

Diese Woche widmet sich Kurt W. Zimmermann in seiner «Weltwoche»-Kolumne einem heiss diskutierten Thema: Dem Verhältnis von Journalismus zur PR. Aufhänger sind ihm dazu die Scharen von Journalisten, die in letzter Zeit die Fronten gewechselt haben:

«Viele ehemalige Chefredaktoren sind darunter, etwa jene der Weltwoche (Wildberger), der Berner Zeitung (Z'Graggen), der Bilanz (Meier) und von Cash (Gisler). Zuvor hatte es schon Chefredaktor-Kollegen von Tages-Anzeiger, Blick, Facts und Sonntagsblick ins PR-Fach gezogen. [...] Den letzten Coup landete soeben Joe Ackermann. Er holte Stefan Baron, den Chefredaktor der Wirtschaftswoche, als neuen Kommunikationschef zur Deutschen Bank.»

So gesehen kein wirkliches Drama - ausser für «PR-Altmeister» Klaus J. Stöhlker, für den diese Überläufer «höchstens PR-Lehrlinge [sind], die auf Kosten ihrer Kunden das Gewerbe erlernen». Aber bedeutsamer in diesem Zusammenhang, Zimmermann spricht von einer neuen Konvergenz, ist das Wechselspiel zwischen den angeblich unabhängigen Journalisten und den PR-Menschen.

«Nun ist es nicht so, dass Journalisten plötzlich ihre Unabhängigkeit an der Garderobe abgeben würden. Wirklich unabhängig waren Schweizer Journalisten nur während 35 Jahren in ihrer 235-jährigen Geschichte. Zuvor waren sie zumeist Parteisoldaten. Noch vor vierzig Jahren machte es keinen grossen Unterschied, ob man unter Willy Bretscher in der NZZ über die FDP schrieb oder ob man unter Gustav Däniker bei Farner-PR für die FDP schrieb.»

Heute sind es eben nicht mehr die Parteien, sondern die PR-Abteilungen. Farner-PR macht heute zwar nicht mehr «einen Kartoffelsack zum Bundesrat», aber aus Mücken Elefanten - genauer: Aus einer Meldung ein Ereignis (Neusprech auch gerne Event). Und die Journalisten geben nach 35 Jahren ihre Unabhängigkeit wieder in der Garderobe ab.

«Journalisten haben von den PR-Leuten gelernt, dass eine Information erst durch ihre dramaturgische Umsetzung zum Ereignis wird. Erst die Komposition macht die News zum Event. Wir haben in letzter Zeit dazu viele gute Beispiele erlebt, etwa die Doku-Soaps um Managergehälter, Fluglärm, Pensionskassenverwalter und Fussball-Nationaltrainer.»

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| Artikel drucken Drucken | 05.04.2007 08:03

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