Das Kulturkartell
Nachdem Kurt W. Zimmermann letzte Woche die Kungeleien der Sportjournaille angeklagt hat, zerrupft er diese Woche in seiner «Weltwoche»-Kolumne das «Kulturkartell». Kulturschaffende - genauer jene, die sich der «etablierten» Kunst verschrieben haben - hängen bekanntlich am Tropf des Staates. Und mit ihnen eben auch die Kultur- und Feuilleton-Journalisten:
«Kulturschaffende und Kulturjournalisten sehen sich als Vertreter eines Systems, des Kultursystems. Sie kämpfen gemeinsam dafür, dass die Bedeutung des Systems innerhalb der Gesellschaft möglichst hoch ist. Sie sind vereinigte Überzeugungstäter. Das unterscheidet sie von anderen Netzwerken. Politikjournalisten und Politiker zum Beispiel kämpfen nicht gemeinsam für mehr Politik.Der Sonderfall ist schnell erklärt. Kulturschaffende werden durch die öffentliche Hand gefüttert. Alle grösseren Kulturinstitute in diesem Land sind defizitär. Kulturjournalisten, anders als ihre Berufskollegen, haben mit Subventionsbezügern zu tun, die sich nicht selber ernähren können.»
Die öffentliche Hand verteilt jährlich mehrere hundert Millionen Franken in den Kulturbetrieb um. Der Kulturjournalismus nun hinterfragt diesen Subventionsreigen nicht, da es selber davon profitiert. Der kritische Journalismus bleibt also im Kulturbetrieb Aussen vor.
«Kulturjournalisten - vom Blick bis zur NZZ - sehen sich in dieser Umverteilungsmaschine als ein Hilfstrupp der Geldbeschaffung. Sie hinterfragen darum das Kultursystem nicht, sondern neigen zu blinder Solidarität. Ich habe noch nie einen Kommentar eines Kulturjournalisten gelesen, der sich gegen eine Kulturvorlage oder die Erhöhung eines Kulturbudgets ausgesprochen hätte. Das ist ein journalistisches Unikum. Selbst Sportjournalisten treten heute gegen zu hohe Kosten für Sportanlässe an.»
Für Zimmermann ist daher der Kulturbetrieb geradezu «sakrosankt»: Missbräuche bei den Sozialwerken werden in den Medien zuweilen aufgedeckt - die Kulturförderung bleibt angenehm davon verschont. Zimmermann illustriert die Macht des «Kartells» anschauzlich an den Beispielen «Basler Zeitung», «Tages-Anzeiger» und «Berner Zeitung». Alle wollten Veränderungen an ihren Kulturressorts vornehmen und wurden überrollt von einer Empörungs-Maschinerie: «Protestnoten, Drohbriefe, Abo-Kündigungen und Podiumsdiskussionen».
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Drucken | 22.03.2007 10:11
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