Am Tropf der Genossen
In seiner aktuellen Medienkolumne in der «Weltwoche» legt Zimmermann einmal mehr interessante Zahlen auf den Tisch. Die beiden grössten Werbeauftraggeber der Printmedien in der Schweiz sind Genossenschaften, nämlich die beiden Detailhändler Migros (145.7 Mio. CHF im 1. Halbjahr 2007) und Coop (101.8 Mio. CHF). Die nicht genannte Nummer drei gab im selben Zeitraum nur noch 31.1 Mio. CHF für Werbung aus. Zimmermann folgert daraus lakonisch:
«Heute wollen wir einmal die beiden wichtigsten Männer der Schweizer Medienindustrie vorstellen. Sie heissen Herbert Bolliger und Hansueli Loosli.»
Bolliger ist Präsident der Generaldirektion des Migros-Genossenschafts-Bundes und Loosli Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Coop. Aber noch interessanter sind die Top-3 der Empfänger: Auf Platz eins liegt mit 124.7 Mio. CHF der Staats-Einheitsfunk SF1, auf dem zweiten Platz die Gratiszeitung «20 Minuten» (91.1 Mio. CHF) und die Nummer drei ist RTL mit seinem Schweizer Werbefenster (54.3 Mio. CHF). «20 Minuten» ist für Zimmermann damit eindeutig rekordverdächtig:
«20 Minuten ist ein Weltrekord. Es gibt keine andere Gratiszeitung weltweit, die dermassen erfolgreich ist. 95 Prozent der Gratisblätter verlieren Geld. Die Notendruckmaschine des Hauses Tamedia hingegen wird in der kleinen Deutschschweiz 2007 einen Gewinn von deutlich über 40 Millionen machen. Der derzeit einzige Konkurrent, das Gratis-Abendblatt Heute, kommt im ersten Halbjahr nur auf einen Umsatz von jammervollen 5 Millionen und macht böse Verluste.»
Aber wirklich zu denken geben sollte der Umstand, dass es sehr mager bestellt ist um die Werbeeinnahmen der Printmedien. Die grossen Brands wie Nestlé, Procter&Gamble und andere schalten ihre Werbung fast nur noch in den elektronischen Medien. Eigetlich sähe es also düster aus für die Zeitungen und Zeitschriften in der Schweiz - wären da nicht die oben genannten Migros und Coop:
«Migros und Coop sind die Ausnahme. Drei Viertel ihrer Werbeausgaben fliessen immer noch in die Presse. Das macht in diesem Jahr brutto 350 Millionen Franken.»
Was passiert, wenn dieser Tropf, an dem die Printtitel hangen, versiegt?
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Drucken | 09.08.2007 11:43
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