
Das Linux-Projekt Wienux in Wien erlitt kürzlich einen Rückschlag. Anders ist die Situation in München, wo das zweite grosse Projekt zur Einführung von Linux und Open Source-Software in der Verwaltung nun mittlerweile seit zwei Jahren läuft. Ziel des ambitionierten LiMux-Projekts ist es, den gesamten Verwaltungsapparat auf freie Software umzustellen. Laut der Münchner Stadtverwaltung macht man dabei grosse Fortschritte.
Bereits seit 2006 laufen die ersten PCs mit dem freien Betriebssystem Linux. Inzwischen wird auf allen 14'000 Arbeitsplätzen der Stadtverwaltung freie Software wie Browser oder E-Mailclient eingesetzt. Zusammen mit den Schulen sind das inzwischen 38'000 Arbeitsplätze mit Open Source-Anwendungen. Auch die Migration auf die quelloffene Office-Alternative Open Office ist bereits weit fortgeschritten: 8'000 Arbeitsplätze - dies entspricht 60 Prozent - nutzen inzwischen die Office-Alternative. Einzig die Umstellung des ganzen Betriebssystems auf Linux harzt ein wenig. Bislang laufen erst 1'200 Rechner unter diesem OS.
Die Einführung von Open Source-Anwendungen bringt für die Verwaltung einige Vorteile mit sich:
Einsparungen und Förderung von KMU: Durch den Einsatz von Open Source bezahlt die Stadt nicht mehr vorrangig für die Beschaffung der Software selbst, sondern nur für die notwendige Anpassungen an die besonderen Kundenwünsche. Diese Flexibilität können grosse Firmen und kommerzielle Programme oftmals nicht bieten, so dass freie Software und offene Standards es vor allem kleinen und mittleren Unternehmen aus der Region ermöglichen, sich umfassend am Wettbewerb zu beteiligen. So wurde im Rahmen des LiMux-Projekts bislang ein Drittel der externen Projektmittel an KMU vergeben.
Effizienzsteigerung: Durch eine konsequente Vereinheitlichung und Konsolidierung z. B. der städtischen Office-Vorlagen wird eine Verringerung von Formularen um ca. 30% erreicht. Geschäftsprozesse, vor allem im Office-Bereich, werden optimiert. Wenn für sehr viele Beschäftigte die Arbeit ein Stück einfacher wird, ergibt dies zusammengerechnet pro Jahr die Arbeitsleistung von ca. 80 Mitarbeitern, die künftig besser genutzt werden kann.
Offene Standards: Die Stadtverwaltung setzt künftig verstärkt auf offene Standards wie den von der ISO definierten Standard «Open Document Format» (ODF). Durch die offene Beschreibung des Formats können ODF-Dateien nicht nur von dem Programm eines Herstellers gelesen werden. Das bedeutet Unabhängigkeit von einem oder wenigen Herstellern. Mit offenen Standards können Monopolstellungen vermieden und der Wettbewerb gefördert werden.
Zukunftssicherheit: Die aktuelle Migration schafft die Grundlage dafür, dass zukünftige Anpassungen mit geringem Aufwand durchgeführt werden können. Einerseits durch Einsparung von Lizenzkosten in Höhe von über 3 Mio. Euro in den nächsten fünf Jahren (Wegfall von Ersatzbeschaffungen/Updates für Windows und MS-Office etc.), andererseits durch die Produkt- und Hersteller-Unabhängigkeit.
Quellen: testticker, muenchen.de
» Drucken 11.07.2008. 08:44
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