Wikinomics: Wissen teilen

Wikinomics

Die Kosten für Unternehmen in der Zusammenarbeit mit externen Mitarbeitern gehen drastisch zurück. Ein Betrieb in Deutschland kann heute leicht mit dem Entwickler in Indonesien zusammenarbeiten - der Preis für die Übermittlung der nötigen Informationen ist fast gleich null, Verständigung geschieht ohne Zeitverlust, Entfernung spielt immer weniger eine Rolle. Dieses Umfeld bildet die Grundlage für neue Arbeitsweisen: «Was früher hinter Mauern eines Unternehmens stattfinden musste, kann heute in allen möglichen Peering-Geschäftsmodellen ablaufen», sagt Don Tapscott, ein Berater aus Kanada. Künftig kann ein Unternehmen mit fast jeder beliebigen wertschöpfenden Einheit, die von aussen kommt, eine Verbindung auf Zeit eingehen - egal, wo diese sich befindet. Es entstehen neue Formen kollektiver Intelligenz.

Fünfzig Prozent der Innovationen sollen von aussen kommen, so lautet eine neue Vorgabe bei Procter & Gamble. Auf Online-Marktplätzen selbstständiger Forscher zum Beispiel ist die Chance grösser, den richtigen Mitarbeiter für ein bestimmtes Thema zu finden. In China hat sich die grösste Motorrad-Produktion der Welt herausgebildet - obwohl keine einzige Firma ganze Motorräder herstellt. Vielmehr existieren für jedes Teil spezialisierte Hersteller. Kollaborativ wird das Endprodukt geschaffen, jeder Produzent ist mit den anderen durch Internet und persönliche Kontakte verknüpft. Weil die Transaktionskosten so niedrig sind, ist es gar nicht nötig, ein ganzes Motorrad in einer Fabrik zu bauen.

Kollaborative Wertschöpfung

Don tapscott
Don Tapscott (New Paradigm)

Wikinomics nennt sich diese neue Vorgehensweise, die eine Wertschöpfung beschreibt, die keinen Unterschied mehr zwischen internen und externen Mitwirkenden macht. Geprägt hat den Begriff Tapscott mit seinem gleichnamigen Buch, welches im September auch auf Deutsch erscheint (siehe die Literaturtipps am Ende des Postings). Ähnlich wie bei der Online-Enzyklopädie Wikipedia werden wesentliche Teile der Wertschöpfung von Aussenstehenden erledigt. Bei der freiwilligen Zusammenarbeit gibt es keine dauerhaften, hierarchischen Abhängigkeiten mehr. Viele der extern Mitwirkenden bekommt der Unternehmer nie zu Gesicht. Man findet per Internet zu einem Projekt zueinander, verabredet gemeinsame Leistung - und trennt sich nach Ende der Aufgabe wieder. Der Wikinomics-Anwender behält nicht mehr all sein Wissen für sich. Vielmehr legt der Unternehmer offen, was er schon weiss - und lädt Dritte von aussen zum Verbessern ein. Beispiel: Der Minenbetrieb Goldcorp stellte sein Wissen ins Netz und beschrieb sein Problem. Tausend Geologen und Hobbyforscher sandten Ideen ein, mit denen der Betrieb in die Gewinnzone zurückgeführt werden konnte.

Neue Strukturen

Die damit verbundenen Anforderungen an das Führungs- und Kommunikationsverhalten sind allerdings alles andere als trivial. Unternehmen müssen sich öffnen, statt abzuschotten, um davon zu profitieren. Unternehmen müssen Vertrauen in ihre Partner vorschiessen, statt 100-prozentige Kontrolle zu haben, um die besten Köpfe an sich zu ziehen. Das Faszinierende am Internet ist, das es wieder einmal Jahrtausende alte Paradigmen auf den Kopf stellt.

Dafür bedarf es nach Ansicht der US-Wissenschafter Malone und Laubacher vom amerikanischen Massachusets Institute of Technology (MIT) struktureller Veränderungen der Unternehmensorganisationen. Auch sie sehen die vielversprechende Möglichkeit in einem Netzwerk kleiner Firmen und Teams die sich nur für die Zeit von gemeinsamen Projekten zusammenschliessen. In erster Linie geht es Malone und Laubacher darum, autoritäre, auf Befehl und Gehorsam beruhende Managementstrukturen aufzugeben. Denn diese unterdrücken Ideenreichtum und Motivation, die gerade in schnellen, wettbewerbsintensiven Märkten unverzichtbar sind. Am Ende steht ein grosses Ziel: das Beste zweier Welten zu vereinen, nämlich die Synergievorteile grosser Organisationen und die kreative Freiheit, Flexibilität und hohe Motivation der Mitarbeiter in kleinsten Unternehmen. Hierarchische Unternehmensformen findet man dann nur noch in Geschichtsbüchern.

Literaturtipps

Quelle: pte

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| Artikel drucken Drucken | 27.06.2007 09:31

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