
Wer mehr als 35 Stunden surft, ist süchtig. (stock.xchng)
In einem Editorial in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins «American Journal of Psychiatry» kommt der US-Psychologe Jerald Block zum Schluss, Onlinesucht sei eine «gewöhnliche zwanghaft-impulsive Funktionsstörung» und gehöre folgerichtig in das «Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders». Das Manual ist das offizielle psychiatrische Handbuch der geistigen Erkrankungen, dessen Neuauflage 2012 erscheinen soll. Wie bei jeder anderen Suchterkrankung auch würden bei der Onlinesucht bestimmte Symptome über eine tatsächliche Erkrankung Aufschluss geben. So seien neben der exzessiven Nutzung des Internets auch Merkmale wie Entzugserscheinungen, der ständige Wunsch nach mehr und soziale Isolation eindeutige Belege für das Vorhandensein einer Onlinesucht.
Bereits im letzten November diskutierten Fachleute das Thema Onlinesucht an der Jahrestagung der «Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde» (DGPPN). Laut Untersuchungen der Humboldt-Universität Berlin sind etwa zehn Prozent der rund 40 Mio. Onliner in Deutschland suchtgefährdet. Weitere fünf Prozent haben bereits die Schwelle zur Sucht überschritten.
Laut Gabriele Farke, Initiatorin des Selbsthilfe-Portals Online-Sucht.de, definiert die Wissenschaft einen Süchtigen als jemanden, «der 35 Stunden pro Woche oder mehr im Internet verbringt». In der Praxis sehe dies allerdings anders aus. Aus ihrer Erfahrung wisse sie, dass das soziale Umfeld in diesem Zusammenhang ausschlaggebend sei. In der Regel könne man dann von einer Onlinesucht sprechen, wenn der Betroffene beispielsweise seine sozialen Kontakte vernachlässige und in weiterer Folge auch verliere. Dies sei dann der Fall, wenn derjenige das Internet nicht in sein Leben integriere, sondern sein Leben dem Internetkonsum anpasse.
Drei verschiedene Bereiche sind laut der Onlinesucht-Expertin zu unterschieden: Online-Spielsucht, Online-Chatsucht und Online-Sexsucht. In Deutschland sei eindeutig die Online-Sexsucht am stärksten ausgeprägt. Diese vor allem bei jungen Männern im Alter zwischen 19 und 25 Jahren auftretende Variante sei in der Öffentlichkeit aber noch weitestgehend ein Tabu-Thema. An zweiter Stelle folge derzeit die Online-Spielsucht, die auch vorwiegend die männliche Bevölkerung betrifft. Erst der dritte Bereich, die Online-Chatsucht, sei eine vorrangige Frauendomäne.
Quelle: pte
» Drucken 25.03.2008. 10:17
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