Vom Umgang mit User Generated Content

Censored
(stock.xchng)

SixApart hat auf seiner Blogplattform LiveJournal rund 500 Beiträge entfernt, die angeblich pädophile Tendenzen aufwiesen. Betroffen waren neben offenbar eindeutig benannten Seiten wie «Childlove» oder «Little Children» besonders auch viele Beiträge aus dem Bereich SciFi und Fantasy. Als begründung wurde angegeben, man habe «Kinder vor bestimmten Themen schützen» wollen.

Betroffene Nutzer beklagen nun, dass die Löschungen weit über ihr eigentliches Ziel hinausgeschossen seien und der LiveJournal-Betreiber ohne Differenzierungen gehandelt habe. Es wurde weder auf Parodien noch auf Kritik oder Sarkasmus, seriöse Auseinandersetzungen und Diskussionen geachtet, sondern schlichtweg massenhaft zensiert. Viele können nicht nachvollziehen, warum beispielsweise ernsthafte feministische Texte zu Themen wie Inzest oder Missbrauch plötzlich als kriminell und obszön angesehen und entfernt werden. Experten sehen in der von SixApart herangezogenen Gesetzesgrundlage weder einen Handlungsbedarf für Löschungen noch eine mögliche Haftung seitens des Betreibers begründet.

Maschinelle Löschungen?

Gerade auch anbetracht der in Deutschland aktuellen juristischen Auseinandersetzungen bezüglich Haftung von Forenbetreibern und Usenet-Providern stellt sich daher wohl die Frage, wie mit User generated Content umzugehen ist. Gerade solche umfangreichen Löschaktionen wie die von SixApart sind kaum mit einer manuellen Prüfung jedes einzelnen Beitrags mehr möglich. Ich vermute, hier wurde automatisch nach bestimmten Schlagworten gesucht und gelöscht, was gefunden wurde. Dabei ging der Schuss wohl nach hinten los.

Ab einer bestimmten Grösse einer Community ist die redaktionelle Überprüfung aller Inhalte schlicht nicht mehr möglich - und m.E. auch gar nicht erwünscht. Juristische Auswüchse (und solche von «besorgten» Pressure Groups) werden über kurz oder lang wohl dazu führen, dass die Anbieter und Provider zu einer maschinellen Filterung angeblich unerwünschter Inhalte schreiten werden, die der Meinungsfreiheit im Netz endgültig den Garaus machen wird. Technisch ist dies ja, wie das Beispiel China zeigt, einfach zu bewerkstelligen.

Quelle: pte

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| Artikel drucken Drucken | 31.05.2007 23:56

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