SL: Und tschüss!

Lich aus bei SL?
Licht aus in SL? (TechCrunch)

Dass ich mit dem Hype um Second Life nicht viel anfangen kann, merkt man vor allem daran, dass sich hier bislang noch kein einziges Posting mit dem Thema befasst. Nach einer kurzen aber intensiven Phase des Ausprobierens bin ich zum Schluss gekommen, dass SL zwar ein netter Zeitvertreib sein kann - mehr jedoch nicht. Jeder Hype klingt ab, auch jener um SL. Die neusten Zahlen legen nahe, dass es jetzt soweit ist.

Wie aktuelle Zahlen der Betreiberfirma Linden Lab belegen, sind die aktiven Nutzerzahlen im Juni bereits wieder um 2.5 Prozent gesunken. Und auch das Wachstum der Population insgesamt erreichte das niedrigste Niveau der vergangenen sechs Monate. Auch die Zeitspanne, die im Durchschnitt in Second Life verbracht wird, ist im Juni mit fünf Prozent nur noch sehr gering angestiegen. Laut Linden Lab ist dies das niedrigste Wachstum seit Dezember 2006. Die Betreiberfirma plant aber, 700'000 Accounts zu löschen, die zwar angemeldet, aber eigentlich nie aktiv genutzt wurden.

Magere Reichweite

Diese Zahlen bereiten natürlich allen Marketers Kopfschmerzen, die auf Biegen und Brechen ihre Unternehmen oder ihre Kunden in SL geprügelt haben. In der «Los Angeles Times» erschien denn auch letzten Freitag ein in der Blogosphäre viel beachteter Artikel zum Thema, der schonungslos die Zahlen auf den Tisch legt: Die Anzahl der aktiven User von SL beträgt laut der Zeitung nie mehr als 40'000 gleichzeitig. Angesichts dieser mageren Reichweite betitelt Duncan Riley sein Posting bei TechCrunch denn auch sarkastisch mit «Will The Last Corporation Leaving Second Life Please Turn Off The Light». Hier ein kleines Rechenbeispiel: Eine Insel - also ein beliebter Standort für ein Unternehmen in SL - kostet einmalig 1'675 US-Dollar und weitere 295.- pro Monat. Hinzu kommen die Kosten für die Marketing-Bude, die alles aufsetzt; also nochmals etwa 5'000 bis 10'000 Dollar. Die besten Angebote von Firmen im SL erreichen um die 10'000 Besuche im Monat. Da muss man kein Mathe-Genie sein, um zu sehen, dass sich der TKP nicht rechnet.

Die Zukunft ist pink

Aber keine Angst, der neue Hype steht schon in den Startlöchern, wenn bei SL die Lichter ausgehen: «Barbie Girls» von Mattel. Diese 3D-Community erreichte innert den ersten 60 Tagen drei Mio. Userinnen. SL benötigte drei Jahre, bis die Grenze von einer Mio. User überschritten wurde. Täglich kommen bei «Barbie Girls» 50'000 neue Userinnen hinzu. Wenn es so weitergeht, wird BG spätestens Januar 2008 SL überholt haben. Die Zukunft ist also pink.

Quellen: pte, LA Times, Scientific American

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» Drucken 16.07.2007 09:22

Karsten Füllhaas on 16.07.2007 21:43

Ich hab mich mehr mit SL auseinander gesetzt und kann auch sagen, dass es Zeit zum weiterziehen ist. Ich kenn Leute, die treffen sich ins SL zum chatten oder abhängen, aber denen sind Präsenzen von grossen Unternehmen wie Reuters, DELL oder so eigentlich wurst.

Silvio Interflug on 17.07.2007 11:57

Sicher und nächstes Jahr rennen wir alle als virtuelle rosangekleidete Blondine in einer Flash-Applikation rum ...
Schaut Euch die Second Life Statistiken kann die aktuell sind im Gegensatz zu denen aus dem Quelltext:
http://secondlife.com/whatis/economy_stats.php

Sowohl Neuanmeldungen als auch Aktivität steigt weiter. Und selbst wenn mal ein Rückgang um 2,5% da war, ich wette selbst dieses Blog hier hat mit mehr Besucherrückgang im Sommerloch zu kämpfen.

gis on 17.07.2007 12:02

Besucherrückgang oder nicht, ist eigentlich egal. Aber es ist mehr als offensichtlich, dass sich eine professionelle Präsenz in SL für Unternehmen nicht lohnt - ausser sie verdienen mit SL ihr Geld. Darum geht es auch in diesem Post, von wegen TKP etc.

tobe on 19.07.2007 14:08

Da habe ich Anderes gehört. Holm und Friebe schreiben in ihrem Buch "wir nennen es arbeit" über die große Zukunft von SL als Parallelwirtschaft

gis on 19.07.2007 16:42

@tobe:
Das mag sein - wobei Holm und Friebe m.M.n. auch nur schreiben, was ihre Leser hören wollen. Sicher, mit SL lässt sich Geld verdienen. Aber das trifft wohl nur sehr begrenzt auf bestehende Player im Markt zu. Erfolgreich sind fast nur Leute mit einem genuin auf SL zugeschnittenen Geschäftsmodell.

Norman on 22.07.2007 13:02

Den SL Untergang habe ich auf brandkraft.de vor ein paar Monaten angeführt, jetzt verdichten sich die Hinweise, dass die Luft aus der Blase weicht.

Zeit um neue Ideen für "after SL" zu entwickeln. Was sind also die tollen Sachen in SL die übrig bleiben werden...

gis on 23.07.2007 02:03

@Norman:

Ja, ich glaube auch, dass SL langsam aber sicher verschwindet. Trotzdem wird vieles bleiben - die Zukunft des Webs ist m.E. in 3D.

Silvio Interflug on 23.07.2007 10:50

Neuanmeldungen und Aktivität in SL steigen immer noch. Die verwendeten Fakten hier sind mehr als einen Monat alt. Aber so ist das halt wenn man etwas zitiert, was der Rest der Onlinemedien auch macht Einfach mal in den Google News nach Second Life suchen, herrlich zu sehen wieviele Blogs, Magazine usw. die gleichen falschen Fakten weiterverbreiten.

Die Zukunft ist pink:
Wo stehen transparente Nutzerzahlen seitens Mattel? Barbie Girls Anwenderinnen sind 8-12 jährige Mädels und es ist wohl keine Schwierigkeit eine Zielgruppe die eh schon dauerhaft an eine Marke gebunden ist, für so einen neuen Service zu aktivieren. SL hatte diese Nutzergruppe nicht.
Second Life hat im Moment 30000 bis 40000 Neuanmeldungen pro Tag. Wie soll es dann bitteschön möglich sein, dass diese Flashanwendung Barbie Girls mit 50000 Anmeldungen pro Tag SL bis Januar überholt?
Aber wieder ein weiterer Beweis mehr, dass nur noch sinnlos abgeschrieben wird, ohne selbst zu recherchieren, noch dazu wo gerade durch Linden Lab sämtliche Zahlen ständig aktuell veröffentlicht werden. Das sollte also kein Problem sein bevor man sowas hier veröffentlicht, mal nachzuschauen und sich zu überlegen, ob das überhaupt so ist. Hauptsache was zu nem populären Schlagwort wie Second Life bloggen, das über Seiten wie Webnews.de verbreiten damit man Leser bekommt und fertig ist die Suppe. Den Eindruck hab ich grad, auch von dem Blog hier. Inhaltlich wertlos und falsche Tatsachen. Aktualitäts- und Alleinstellungsmerkmal des Artikels = Null.

Wer belegbare Fakten will, sollte sich meinen Artikel zu dem Thema durchlesen: Hier eine ausführliche Richtigstellung

gis on 23.07.2007 11:14

Nochmals, auch für Silvio zum Mitmeisseln: Hauptaugenmerk meines Postings liegt NICHT auf einem möglicherweise drohenden Untergang von SL, sondern auf dem - nicht wegdiskutierbaren (s. Rechenbeispiel) - unrentablen TKP für Firmen im SL. Wer zudem den ironischen Unterton zwischen den Zeilen nicht herauslesen kann, dem kann ich nicht helfen. Jedem Tierchen sein Plaisierchen... Auf Argumente ad hominem gehe ich übrigens nicht ein - das hab ich nicht nötig.

Silvio Interflug on 23.07.2007 14:59

Dann sollte aber auch mal langsam drauf kommen, dass die meisten Firmen die bisher dort agieren wissen dass SL als Vertriebskanal oder zur Markenstärkung noch nicht viel nutzt. Alle anderen haben die berühmte Rosarote Brille auf. Es geht den meisten Brands doch einfach darum, erste Erfahrungen zu sammeln mit diesem Medium, nicht den schnellen Euro zu machen. Welche 3D Welt erreicht denn so eine große Zielgruppe in der ich realistisch meine Marke vorstellen kann und in der ich solche Freiheiten hab als unabhängiger Entwickler? Wenn nicht jetzt Erfahrungen mit dem 3D Web machen, wann dann? Und was sind bitteschön z.B. 25000 EUR Kosten für einen Konzern wie BMW oder Adidas? Ich glaube es sind für viele einfach Entwicklungskosten und kein Marketingbudget was sie fix wieder reinholen wollen. Wer das jetzt oder in naher Zukunft nicht macht, verpennt das ganze. Wir lesen uns in 1,5 Jahren wieder, denn der Hype bis vor kurzem war nur der Anfang. Jetzt wird der große Haufen von Bausteinen zusammengesetzt und dann hat man mehr Durchblick und Nutzen von einer Virtual World wie SL. Gartners Hype Cycle trifft sehr gut auf SL zu, genau wie auf das Web allgemein.

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