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Web 2.0 ermöglicht Schwarm-Intelligenz?
(stock.xchng)
Die rasante Entwicklung der Informationstechnologie bestimmt zunehmend unser Leben, das somit immer flexibler, dynamischer und individueller wird. Mit der Erfindung des Internets wurde eine Medienrevolution ausgelöst, die sowohl unsere Wirtschaft als auch unser Privatleben massiv beeinflusst hat. Was sich jetzt beobachten lässt - heute unter dem Schlagwort Web 2.0 zusammengefasst -, ist die kulturelle Antwort auf diese Veränderungen.
Noch immer haben die Menschen konservative Sehnsüchte, im Zeitalter von Blogs und Smartphones werden sie aber anders befriedigt. Selbst Wünsche nach Gemeinschaft, Liebe und Glauben finden so neue Formen der Erfüllung.
Die Entwicklung im Internet macht deutlich, dass sich autonome, sich nicht kennende Individuen mit der heutigen Technologie immer einfacher und kostengünstiger vernetzen und zusammentun können. Daraus entstehen Mehrheiten, die Entscheidungen in allen Lebensbereichen beeinflussen werden, von der Kultur bis hin zum Konsum. Jedoch sind diese Gemeinschaftsformen nicht für die Ewigkeit bestimmt, sondern setzen sich spontan immer wieder neu zusammen.
Die Wirtschaft wird von dieser Entwicklung in erheblichem Masse beeinflusst werden. Der Dialog mit den digitalen Graswurzel-Konsumenten und smarten Mehrheiten definiert den Erfolg zukünftiger Märkte.
Smart Mobs: Die nächste gesellschaftliche Revolution
Wir stehen am Anfang einer dritten technologischen Welle. Durch das Zusammenfliessen von Telefon, Wireless-Technologien, Internet und der Omnipräsenz von Chips werden neue Geräte entstehen, die nicht das sein werden, was wir heute als Telefon, PC und Internet kennen.
Zum Beispiel neue Formen der Gemeinschaft, die weltweit entstehen. Möglich wird dies durch Technologien und Programme, die:
Neu sind diese Technologien und Programme zwar nicht, wohl aber die Schlussfolgerung, die sich daraus ergibt: Wenn Kommunikation und Informationen portabel werden, können sie über die Grenzen der Virtualität hinauswachsen. Und damit direkten Einfluss auf das alltägliche Geschehen in der realen Welt nehmen. Als Beispiel kann man die Macht, die von so genannten Smart Mobs, spontanen Menschengruppen, die sich über Handy und Internet organisieren, ausgeht, betrachten. Als Konsumenten bilden sie eine Mehrheit, irritieren die Gesellschaft und fordern sie zum Umdenken auf.
Schwarm-Intelligenz: Die neue Macht des Wir
Die neue Macht der «Wir-Gesellschaft» liegt in der Schwarm-Intelligenz der Massen. Denn mit Schwarm-Intelligenz entsteht eine neue Qualität der Problemlösung, Koordination und Entscheidungsfindung. Insofern nimmt die Bedeutung von Expertenwissen ab, während Teams immer schlauer werden als der Einzelne. Damit hat die Schwarm-Intelligenz das Potential, zum Ordnungsprinzip der Gesellschaft zu werden. Basis dieser Veränderung ist das Internet. Fernanwesenheit mittels vernetzter Kommunikationstechniken ersetzt immer häufiger einen Teil der individuellen Mobilität. Auch der journalistische Wert der Wahrheit verändert sich. Flüchtige Wahrscheinlichkeiten und subjektive Meinungen, wie wir sie beispielsweise in Blogs finden, beeinflussen uns und unser Weltbild.
Blogs: Schwarm-Intelligenz im Content-Bereich
Schwarm-Intelligenz entsteht nicht von selbst. Vielmehr müssen vier grundsätzliche Voraussetzungen gegeben sein, die Schwarm-Intelligenz entstehen lassen und fördern:
1. Unabhängigkeit der Mitglieder
Zunächst einmal müssen die Schwarm-Mitglieder unabhängig voneinander sein. Dadurch existiert eine niedrigere Wahrscheinlichkeit der Beeinflussung durch Meinungsführer.
2. Dezentralisierung der Mitgliederstruktur
Die Dezentralisierung führt dazu, dass sich Fehler an den Rändern ausbalancieren können und daher bessere Resultate erzielt werden.
3. Meinungsvielfalt zwischen Mitgliedern
Meinungsvielfalt kann dann besonders gut entstehen, wenn den einzelnen Mitgliedern des Schwarms eine grössere Menge an Informationen als Basis für ihre Entscheidungsfindung zur Verfügung steht.
4. Meinungsaggregation unter Mitgliedern
Gute Meinungsaggregation heisst, dass die richtige Aufnahme und Auswertung aller Meinungen gefördert werden muss, um zu besseren Resultaten zu führen.
Für den Bereich Nachrichten, Meinungen, Stimmungen sind sicherlich Blogs, die sich derzeit rasant ausbreiten, ein gutes Beispiel.
Dieser Eintrag ist meine Zusammenfassung der Vorträge des «Zehnten Deutschen Trendtags» vom 2. Juni 2005 und erschien bereits einmal auf dem mittlerweile eingestellten Vorgängerblog von wortgefecht.net.
» Drucken 17.02.2007. 02:06
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