Neues vom Bürgerjournalismus

Die «Szene» lebt, Bürgerjournalismus und Seiten mit User Generated Content sind en vogue. Zwei Beobachtungen und eine neue Seite, die ich in den letzten Tagen gemacht bzw. gefunden habe, möchte ich hier kurz vorstellen: Crowdsourcing im Bürgerjournalismus, bezahlte Inhalte bei der «Readers Edition» und «point-e».

Crowdsourcing und Bürgerjournalismus

Assignement Zero

Jay Rosen, Professor für Journalismus in New York, hat gemeinsam mit «Wired» aus dem Haus Condé Nast eine kollaborative Newsseite gestartet. Ziel von «Assignement Zero» (Auftrag Null) ist es, das Prinzip Crowdsourcing auch auf den Bürgerjournalismus auszuweiten. Rosen ist der Meinung, auch Journalismus könne so funktionieren wie die Wikipedia oder Open-Source-Software-Projekte. «Wired» stellt für das Projekt eine Redakteursstelle zur Koordination ab. Ebenfalls mit an Bord ist Jeff Howe von «Wired», der den Begriff des Crowdsourcing geprägt hat.

Die Arbeit beginnt am «Assignment Desk», wo die Themen aufgelistet sind, über die man schreiben kann. Dort kann der User auch neue Themen zur Recherche vorschlagen. Es gibt Aufträge, die für Gruppenrecherche geeignet sind und solche, wie Interviews, die nur an einzelne Personen vergeben werden. Abgesehen von der Idee, gemeinsam ein Thema zu bearbeiten, kennt man Ähnliches auch bei der «Readers Edition». «Assignement Zero» will aber Themenkomplexe verfolgen, die in kleinere Stories heruntergebrochen werden, abhängig von der Quellenlage, die durch die Mitmachenden zusammengetragen wird. Zu bestimmten Deadlines werden die Daten dann von Freiwilligen zu Artikeln verwertet. Die Ablage der Rechercheergebnisse erfolgt auf der «Reporting Page». Natürlich darf auch ein Forum nicht fehlen.

Eigentlich ist kollaboratives Arbeiten der logische nächste Schritt. Bislang entstehen die meisten Artikel in Einzelarbeit oder wenn, dann nur in sehr kleinen Teams. Dies gilt besonders für den professionellen Journalismus, aber auch die meisten Gemeinschaftsblogs werden so mit Inhalten versehen. Ich denke jedoch, dass analoges kollaboratives Schreiben wie zum Beispiel bei Wikipedia hier nicht konsequent machbar ist - dem trägt auch «Assignement Zero» Rechnung, denn es sind dann doch wieder einzelne Freiwillige, die die Artikel montieren. Lassen wir uns also überraschen.

Bezahlte Inhalte bei der «Readers Edition»

Geld!
(stock.xchng)

Peter Turi hat gestern ein Interview mit Robert Basic auf der «Readers Edition» veröffentlicht, für das er laut eigenen Aussagen von den Herausgebern bezahlt worden ist. Das Interview ist offenbar der erste Teil der Serie «Alphablogger der deutschen Blogosphäre». Bezahlter Bürgerjournalismus? Bei solchen Aktionen wird deutlich, wie fliessend der Übergang zwischen professionellem und Amateur-Journalismus geworden ist. Anders gesagt: Die immer mehr zur Selbstverständlichkeit werdende Entlöhnung für User Generated Content (Beteiligung am Werbeerlös und andere Modelle) - die meiner Meinung nach übrigens irgendwie doch dazugehört - sorgt dafür, dass aus vielen «Amateueren» Freelancer werden, die quasi multimedial Inhalte für die verschiedensten Medien liefern. Auch das ist Medienkonvergenz.

Neues Projekt: «point-e»

Aufmerksam auf dieses Projekt bin ich über XING geworden. «point-e» versteht sich als «European perspectives on culture, politics and ideas» und erscheint auf Englisch. Gewissermassen ein deutsches Bürgerjournalismus-Projekt mit europäischer Perspektive in englischer Sprache. Die Seite steckt noch in den Kinderschuhen, bislang sind drei Beiträge der Macher zu finden.

Die Seite läuft mit Wordpress und Beiträge können nur per E-Mail eingereicht werden. Letztere müssen bislang unveröffentlicht sein und auf eine Creative Commons-Lizenz wurde zugunsten eines herkömmlichen Urheberrechts verzichtet. In einer E-Mail an mich äusserten sich die Macher dahingehend, sie hätten «etwas Bedenken, dass dies [CC-Lizenz] potenzielle Autoren abschrecken könnte» und dass «das Internet eine Textreproduktion weniger nötig» mache, «da ein einfacher Link einen Verweis ungleich leichter» ermögliche.

Das Konzept, das hinter «point-e» steckt, könnte aufgehen - wäre da nicht der in meinen Augen etwas eigenwillige Zugang zur Materie. Aber irgendwie finde ich immer ein Haar in der Suppe.

Quellen: IHT, ORF, Rivva

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| Artikel drucken Drucken | 20.03.2007 11:03

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