Kunst gegen Zensur: Picidae

Picidae

Soeben lief in der Sendung «kulturplatz» von SF1 ein interessanter Beitrag über ein Schweizer Kunstprojekt namens «Picidae» (lat. für Specht). Die beiden Künstler Christoph Wachter und Mathias Jud wollen damit ein Loch schlagen in die «Great Firewall of China» und neben dem künstlerischen Aspekt ihrer Arbeit auch einen Beitrag zur freien Meinungsäusserung leisten:

«In China wird das Internet stark zensuriert und kontrolliert. Innerhalb der letzten Woche wurden drei Internet-Publizisten Opfer des Regimes: Ein Cyber-Dissident wurde verhaftet, ein anderer zu vier Jahren Gefängnis verurteilt und der dritte wurde kurzum in eine psychiatrische Klinik gesteckt. Die Cyber-Dissidenten erhalten nun unerwartete Hilfe: zwei Schweizer Künstler haben eine Methode entwickelt, mit der weltweit jegliche Internet-Kontrolle umgangen werden kann.»

Im Beitrag wurde das System zur Umgehung der Zensur vor Ort in China in einem Internetcafé getestet und funktionierte auch. Technisch einfach aber genial wird jeglicher Datenverkehr über einen Picidae-Server umgeleitet, der dem User nicht die Seiten als solches, sondern Screenshots bereitstellt. So kann die Zensur ausgehebelt werden. Mehr zur Funktionsweise auf der Homepage von Picidae:

«Ruft man picidae auf, erscheint ein Feld zur Eingabe einer Webadresse. picidae erstellt dann ein Bild der Webseite und sendet dieses zurück. Damit ein Surfen auch auf dem Abbild der Seite möglich wird, analysiert der pici-Server die Webseite und setzt via Imagemaps auf dem Abbild überall dort Links, wo diese auf dem Bild zu sehen sind. Wie auf der "richtigen" Webseite läßt sich so im Browser mit der Maus auf die Links klicken. [...] So lassen sich einfache Formulare absenden und man kann wie gewohnt in Suchmaschinen und auf Webseiten recherchieren.»

Hier der Link zur aktuellen «kulturplatz»-Sendung. Sie sollte demnächst auch als Video-Podcast hier erhältlich sein.

+++ NACHTRAG vom 31.08.07

Der Podcast ist unter dem oben angegebenen Link mittlerweile verfügbar. Zudem hat heute auch die «NZZ» die Sache aufgegriffen.

Tags:

| Artikel drucken Drucken | 29.08.2007 23:41

picidae.net by Dan on 30.08.2007 15:43

Ich habe die Sendung auch gesehen und finde diese neue Möglichkeit Staatliche Zensur durch picidae zu umgehen sehr interessant.

Interessant ist aber auch, dass man über Suchmaschinen wie yahoo, msn, search, wikipedia und google diesen Dienst nicht finden kann. Oder wie würden sie ohne genaue adresse diese Seite finden? Es wird kein Wort darüber verloren, hier in Europa! Liegt dies etwa daran, dass der Dienst ganz neu ist, oder tatsächlich, dass auch bei uns aktiv zensuriert wird? Diese Firmen zensurieren jedenfalls zugegebener massen in China offiziell selbst, wie den Medien zu entnehmen ist.

Ich denke es wäre dringend nötig, dass wieder neue unabhängige Suchmaschinen entstehen. Ohne zuverlässige Suchmaschinen funktioniert das Internet praktisch nicht.

Ausserdem: falls merkwürdige Fehlermeldungen bei kritischen Suchanfragen auftauchen, einfach mal die Seite http://www.picidae.net/ aufrufen, man kann nie wissen...

gis on 30.08.2007 16:15

In der Tat, das habe ich nicht überprüft. Die Domain picidae.net ist nur einmal bei Google referenziert, Yahoo kennt nur 3 Backlinks darauf.

Ich gehe jetzt mal davon aus, dass dies daran liegt, dass die Seite sehr neu ist (WaybackMachine kann das Alter nicht ermitteln). Ich glaube im Moment jedenfalls nicht daran, dass The Big G und die anderen zensieren.

Simon Schmid on 31.08.2007 13:41

Ich habe die Sendung gesehen und möchte nur einfach gratulieren. Find ich klasse!

cr on 01.09.2007 03:26

Und wenn die chinesische Zensur nur diese domain (die man noch dazu nicht finden kann) sperrt ist alles wieder aus?

Hab ich da was übersehen oder ist das Projekt bloss heisse Luft?

gis on 01.09.2007 03:37

@ cr:

Berechtigter Einwand - aber ich denke, dieser Link hilft weiter.

Zanko on 23.10.2007 02:25

Ich wünsche diesen zwei viel Erfolg und viele Freude. Denn das ist eine Grosse schritt um die falsche Gesicht von manchen Staaten zu enthülen.

Nich leugnen sollte man auch, dass in Europa (Wohl "freiste" Staaten auf der Welt) sind Seiten zenziert wo sie die Korroptionen, oder der Fall von HARZ4 beschrieben worden sind und welche hintegründe es haben z.B es gab eine Seite wo die Korroptionen der Energie - Konzerne alles beschrieben war. Paar tage nach dem ich der Seite besucht hab, war der seite gesperrt. Ich habe aber bekannten in Schweden wo sie es noch sehen konnten.

tom on 15.05.2008 15:47

hy Leute

Heute wollte ich auf eine Site zugreiffen welche für meine Berufliche tätigkeit interessante intormationen enthält. Leider erhielt ich durch unsere Firmenfirewall ein Zensurhinweis eingeblendet: Access restricted to "non-business" site. Suuuuuper ;)

Schlau wie ich bin, dachte ich mir, ich surfe Picidae an um diese Blockade zu übergehen... picidae.net.. Access restricted to "non-business" site... so und leider ist mir kein weiterer picdae mirror bekannt... leider hat führte die seite nicht an der blockade vorbeit...

gruss

Jürgen on 10.06.2008 11:39

Hi,

habe genau das Problem meiner Vorredner. Solange es keine Spiegel gibt, die nicht sofort durch Firmen-, Länder, etc. Firewalls gesperrt werden, ist die Technik nur eine nette Idee.
Oben heißt es: "aber ich denke, dieser link hilft weiter." Und der link zeigt auf picidae.net.
Witzig, was glaubt Ihr passiert, wenn ich versuche darauf zuzugreifen?

Beste Grüß,
Jürgen

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