Gibt es eine Game-Sucht?

Medical
Sind exzessive Gamer süchtig - oder Opfer der Gesellschaft? (stock.xchng)

Laut Untersuchungen der Humboldt-Universität Berlin sind etwa zehn Prozent der Internet-Nutzer in Deutschland suchtgefährdet. Ähnlich wie beim exzessiven Einkaufen, Sport oder Arbeiten handelt es sich bei der Online-Sucht um eine so genannte Verhaltenssucht (Behavioural addiction), die allerdings noch nicht anerkannt ist. Die exzessiv ausgeübte Tätigkeit stimuliert das limbische System im Gehirn, wodurch Hormone wie Endorphine ausgeschüttet werden, was als angenehm erlebt wird. Analog zur Online-Sucht kann man nun postulieren, dass auch exzessives Gamen eine solche Verhaltenssucht darstellt. Keith Bakker, der Gründer und Chef der ersten und einzigen europäischen Suchtklinik für Videospielabhängige in Amsterdam, bezweifelt dies jedoch.

Zwanghafte Videospiel-Nutzer sind keine klassischen Süchtigen. 90 Prozent der jungen Leute, die sich aufgrund von übermässigem Computerspielkonsum in Behandlung begeben, sind nicht von den Games abhängig, so Bakker. Das Smith & Jones Centre Amsterdam hat seit der Öffnung 2006 hunderte Jugendliche behandelt. Die Ärzte hätten erkannt, dass es sich bei zwanghaften Videospielen eher um ein soziales als um ein psychologisches Problem handle. Mit traditionellen Abstinenz-basierten Behandlungsmethoden erzielte die Klink vor allem gute Erfolge bei Personen, die zusätzlich noch ein anderes Suchtverhalten wie Alkohol- oder Drogenmissbrauch aufwiesen. Bakker glaubt allerdings, dass diese Art der Suchterkrankung nur zehn Prozent der Gamer betrifft. Die anderen 90 Prozent, die mehrere Stunden täglich mit Spielen verbringen, bedürfen seiner Ansicht nach einer anderen Behandlung. Was die Kinder wirklich bräuchten, seien ihre Eltern und Lehrer, es handle sich um ein soziales Problem.

Gesellschaft als Auslöser?

Für Bakker sind die heutigen Gesellschaftsstrukturen verantwortlich. 80 Prozent seiner Patienten fühlten sich in irgendeiner Weise isoliert. Viele der Symptome können laut Bakker bekämpft werden, wenn die Betroffenen (zumeist Jugendliche) zu einer traditionellen Form von Kommunikation zurückkehren. Sobald sich die Betroffenen akzeptiert fühlen und ihnen jemand zuhört, ist die grosse Mehrheit in der Lage, das zwanghafte Spielen hinter sich zu lassen.

Therapieansatz

Die Klinik setzt vor allem auf Intervention. Manchmal ist es nach Ansicht der Experten schlichtweg notwendig, ein Kind vom Computer fernzuhalten und zumindest für eine Zeit die Spiele wegzusperren, bis eine geregelte Nutzung wieder möglich ist. Bei Smith & Jones wird ausserdem die Meinung vertreten, dass der Griff zu gewalttätigen Games meist auf eine Vorprägung zurückzuführen ist und die Kinder nach einem Weg suchen, bereits bestehende Aggressionen auszuleben.

Doch eine «klassische» Sucht?

Manche Psychologen sind da anderer Meinung als Bakker. Ihnen zufolge sind besonders Menschen, die in der realen Welt nicht mehr zurecht kommen, nicht mehr über ihre Bedürfnisse sprechen können oder deren soziales Umfeld kollabiert, gefährdet. Soweit deckt sich deren Analyse mit den Aussagen Bakkers. Allerdings sehen sie auch das exzessive (Online-)Spielen - die Grenzen zwischen on- und offline verwischen ohnehin immer mehr - als Verhaltenssucht und somit als eine «gewöhnliche zwanghaft-impulsive Funktionsstörung» an. Deswegen wollen sie dieses Krankheitsbild auch in das «Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders» aufnehmen, dessen Neuauflage 2012 erscheint.

Quelle u.a.: persoenlich

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| Artikel drucken Drucken | 22.06.2009 12:05

Thomas on 23.06.2009 14:57

Ich muss sagen als ich noch jünger war (so mit 13,14) war ich auch für circa nen jahr "spielsüchtig". Habe da die Schule geschwänzt und die ganze Zeit diablo 2 gespielt. Aber um ehrlich zu sein war das nicht weil ich isoliert war( hatte ja Freunde und alles) sondern weil Schule langweilig war und ich sonst nichts zu tu hatte. (meine Freunde haben ja das gleiche gemacht ;-) ) Was mir viel geholfen hat war mit Sport anzufangen, danach war alles wieder gut^^. Spiele zwar immernoch gerne aber nicht mehr zu viel.

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