Gelehrt wird online

Dass das Internet nahezu alle Lebensbereiche revolutioniert, ist mittlerweile zu einer regelrechten Binsenweisheit verkommen. Aber es gibt wohl kaum einen anderen Bereich, an dem sich dies besser illustrieren lässt als die Bildung. Die Vermittlung von Wissen über das Netz ist ungebrochen auf dem Vormarsch und wird mittlerweile sogar von einer internationalen Gruppe von Universitäten forciert. Ein Studie will gar herausgefunden haben, dass der Online- dem Präsenzunterricht überlegen ist.
Online-Unterricht bringt bessere Leistungserfolge als der herkömmliche Unterricht im Klassenzimmer. Zu diesem Schluss kommt eine Langzeit-Untersuchung von SRI International für das amerikanische Departement of Education. In dem 93-seitigen Bericht halten die Autoren fest, dass Schüler, die online gelernt haben, im Schnitt bessere Ergebnisse erbracht haben als jene, die von Angesicht zu Angesicht im Klassenzimmer unterrichtet wurden.
Moderat, aber signifikant erfolgreicher
Wie aus den Studienergebnissen hervorgeht, schnitten jene Schüler und Studenten, die alle Kurse oder zumindest Teile davon online absolvierten, mit einem durchschnittlichen Leistungserfolg von 59 Prozent ab. Jene, die ausschliesslich in den Klassenzimmern unterrichtet wurden, kamen auf nur 50 Prozent. Das ist laut den Experten ein moderater, jedoch signifikanter Unterschied. Die Studie untersuchte und verglich die Lehrerfolge der beiden Gruppen über zwölf Jahre hinweg von 1996 bis 2008. Allerdings wurden vorwiegend Erhebungen in Colleges und im Bereich der Erwachsenenbildung durchgeführt, nur einzelne fanden bei jüngeren Altersgruppen statt.
Populäre Online-Lernvideos
Die Möglichkeit des Wissensaustausches über Internetplattformen gewinnt für Nutzer und Bildungseinrichtungen zunehmend an Bedeutung. So kann das iTunes-Angebot des Hasso-Plattner-Instituts für Softwaresystemtechnik (HPI) an der Universität Potsdam in Spitzenzeiten allein über den Uni-Bereich wöchentlich bis zu 25'000 Zugriffe auf Vorlesungsvideos verzeichnen. Von der Grössenordnung her bewegt es sich damit auf dem selben Niveau wie die seit 2005 dort vertretene Stanford University. "In Zeiten von MP3-Playern und videofähigen Handys wie dem iPhone wird ein mobiler Zugang zu Informationen speziell von Studierenden nicht nur erwartet, sondern sogar verlangt", erklärt Michael Raunig von der Akademie für Neue Medien und Wissenstransfer der Grazer Universität, die ebenfalls ein eigenes Angebot gestartet hat.
Das HPI gehört zusammen mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und der Ludwig-Maximilians-Universität München zu den vier Elite-Einrichtungen, die seit Januar 2009 als erste in Deutschland Lehrinhalte auf der internationalen Apple-Plattform anbieten. Auf iTunes U waren bis dahin lediglich Vorlesungen und andere Aufzeichnungen von rund 200 angelsächsischen Hochschuleinrichtungen verfügbar gewesen.
Eine automatisierte Plattform für Lern-Webcasts
Da erstaunt es nicht, dass eine internationale Gruppe von Universitäten im Rahmen von Opencast mit "Opencast Matterhorn" ein Projekt in Angriff genommen hat, um das Webcasting von Lehrinhalten zu erleichtern. Ziel ist ein Software-Framework, das die vielen kleinen Einzelprodukte und Speziallösungen der Hochschulen ablöst und automatisiert. Diese Automatisierung aller Prozesse von der Planung bis zur Online-Publikation auf Plattformen wie YouTube oder iTunes soll Lehr-Webcasts für Universitäten leichter zugänglich und günstiger machen. Ausserdem wird bei Opencast Matterhorn Wert darauf gelegt, dass das System zu verschiedensten Videoformaten kompatibel ist.
Quellen: pte, nyt
Bildquelle: stock.xchng
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Drucken | 21.09.2009 17:55
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