Ende der Gratiskultur?

Bedeutet die Rezession das Ende von gratis im Netz? (stock.xchng)
Das Internet revolutionierte bekanntlich unseren Alltag mit Gratisangeboten und kostenlosen Diensten. Steffan Heuer hat dazu im der Oktober-Ausgabe des «NZZ Folio» einen spannenden Beitrag veröffentlicht. Der notorische Internet-Kritiker Andrew Keen, Verfasser des Buchs «The Cult of the Amateur» (deutsche Ausgabe), hat sich nun ebenfalls dazu berufen gefühlt, sich zu dieser Gratis-Kultur kritisch zu äussern. In einem Blogpost postuliert er, «[although] a lot of Americans are suddenly going to have a lot of extra time on their hands to donate their labor for free, the idea of free labor will suddenly become profoundly unpalatable to someone faced with their house being repossessed.»
Keen führt darin weiter aus, dass Geschäftsmodelle, die sowohl den Beitragenden eine Entschädigung auszahlen wie auch von den Nutzern eine Gebühr verlangen, über die kostenlosen Angebote triumphieren werden. «It will mean the success of Knol over Wikipedia, Mahalo over Google and Hulu over YouTube.» Damit hat Keen in ein Wespennest gestochen und eine Vielzahl negativer Kommentare in anderen Blogs ausgelöst. Exemplarisch dazu hier die Reaktionen von BoingBoing, Techdirt und Hit & Run.
Gebührenpflichtiges Google?
Aber wie steht es denn nun um die Bereitschaft der User, für Dienstleistungen im Internet zu bezahlen? Rubicon Consulting hat dazu im September 2008 eine Umfrage durchgeführt. Demnach hätte einzig Google die Chance, eine monatliche Gebühr von zwei US-Dollar einführen zu können. 52 Prozent der Befragten wären dazu bereit. Abgeschlagen auf den weiteren Rängen folgen Yahoo! (22 Prozent), YouTube (19 Prozent) und Wikipedia (18 Prozent).

Natürlich ist gratis im Internet meistens nicht kostenlos (vgl. dazu auch den eingangs erwähnten Artikel von Steffan Heuer). Gegenüber eMarketer sagte denn auch Chris Anderson, Chefredakteur des «Wired» und Autor von «The Long Tail» (deutsche Ausgabe): «Free is really near-zero marginal cost. But the reality is that a lot of it is never monetized at all. It is free. The Web is free; what you’re paying for is peoples’ attention.» Wer also Geld für eine Dienstleistung verlangt, muss herausfinden, was diese Aufmerksamkeit den Kunden wert ist (Stichworte: Grenznutzen und subjektive Wertlehre).
Quelle: eMarketer
» Drucken 31.10.2008 10:55
Roland Panter on 31.10.2008 11:50
Gratis ist nicht gleich kostenlos - das ist wohl die Kernaussage, denn gerade in Bezug auf Google bezahlen wir einen ungleich höheren Preis als potenzielle 2 Euro im Monat. Die Frage ist doch eher, wann fängt das Profiling an richtig zu wirken?
Und das wirkliche Gratis-Internet aus den Jahren 1997-2002, da sind wir heute doch schon meilenweit von entfernt. Meinen Sie nicht?
michael schubert on 04.11.2008 18:26
Bravo! Die Diskussion ist bei den Medienmachern angekommen. Dr. Wolfram Weimer, CR von Cicero spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Subprime-Krise der Medien: Link
Und dann passt auch sicher noch der Gedanke Georg Francks zu einer Ökonomie der Aufmerksamkeit. Mehr dazu beispielsweise hier.






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