Digitale Analphabeten

Kid computing
Er beherrscht, was viele nie lernen (wollen). (stock.xchng)

Die kürzlich veröffentlichte Studie «Ranking Websites with Real User Traffic» (PDF, 3.2MB) der Indiana University hat ergeben, dass satte 54 Prozent des Internettraffics ohne Referrals stattfindet. Dies bedeutet, dass die Surfer mehrheitlich keine Links klicken, sondern die URL direkt in die Adresszeile ihres Browsers eintippen. Aber noch viel erstaunlicher ist, dass gerade mal knapp fünf Prozent der URL Requests von Suchmaschinen kommen. Diese Zahl stieg übrigens während dem Untersuchungszeitraum noch an. Untersucht wurden 100'000 User während neun Monaten. Dies ist die grösste Studie dieser Art bisher.

Offenbar sind die Onliner doch etwas weniger von Google abhängig, als bisher angenommen. Die meisten User besuchen zielstrebig eine kleine Anzahl von Seiten, die sie bereits kennen. Eine deutsche Studie von SevenOneMedia hat jüngst ergeben, dass dieses so genannte Relevant Set der Surfer aus rund acht Seiten besteht.

Wenig geübte Late Adopters

Weil die Verbreitung des Internets weiter wächst, sind nun immer mehr Late Adopters gezwungen, online zu gehen. Diese Gruppe ist wenig geübt im Umgang mit dem Netz. Viele von Ihnen kennen offenbar den Unterschied zwischen der Adresszeile ihres Browsers und dem Suchfeld einer Suchmaschine nicht: Die Anzahl der Suchanfragen für bbc.co.uk bei Google (Google Trends Chart) sind zum Beispiel über die Jahre noch gewachsen.

Allerdings sollte man bedenken, dass Besucher, die über einen RSS-Feed oder eine in AJAX programmierte Seite kommen, von der Studie nicht erfasst wurden, da sie keine URL Requests generieren.

URL Requests

Von alten und neuen Gräben

Die Studie zeigt vor allem eins: Die breite Masse der Internetuser interessiert sich zuwenig für das Medium und wird viele der neuen Technologien gar nie anwenden (wollen). Auch wenn die Anzahl der angeblich Hyperconnected immer weiter steigt - die digitale Zweiteilung wird sich meiner Meinung nach ähnlich verhalten wie jener Graben zwischen Buchlesern und Nicht-Lesern. Die Mehrheit nimmt höchstens ein Telefonbuch (Suchmaschine) oder die neuste Promi-Biografie (Newsportale der etablierten Medien), die sowieso von einem Ghostwirter geschrieben wurde, zur Hand. Fragt sich nur, wo und wie sich diese vier Gruppen überschneiden.

Quellen: indiana.edu, online journalism blog

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| Artikel drucken Drucken | 27.05.2008 09:58

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