Eine Psychologin der Johannes Kepler Universität in Linz untersuchte im Rahmen ihrer Dissertation sieben Monate lang das Wirken so genannter Meinungsführer (Opinion Leaders) in Online-Foren. Untersucht wurde vor allem der Einfluss dieser Meinungsführer auf die Beiträge und Entscheidungen anderer Diskussionsteilnehmer. Ziel der Studie war es, herauszufinden, welche Teilnehmer in welchem Umfang schreiben, auf welche Art von Postings die User stärker reagieren und ob die Personen, die sich anhand eines Fragebogens selbst als Meinungsführer bezeichnen, auch tatsächlich über das grösste Fachwissen verfügen.
Für die Untersuchung hat die Wissenschaftlerin die Forennutzer in zwei Gruppen unterteilt: Meinungsführer und Meinungssucher. Ein Meinungsführer ist eine Person, der in einer sozialen Gruppe eine besondere Kompetenz zugesprochen wird, wenn es um die Lösung bestimmter Problemstellungen geht. Dies ist beispielsweise bei der Fragestellung nach der richtigen Bekleidung innerhalb dieser Gruppe feststellbar. Hier werden Einstellungen und Verhaltensweisen untereinander beeinflusst. Die Meinungsführer gehören in der Regel zu der Gruppe der Frühkonsumenten und dienen im Rahmen der zweistufigen Kommunikation als Multiplikatoren, die ihre positiven oder auch negativen Erfahrungen an Meinungssuchende weitergeben. «Meinungsführer sind im Online-Kontext wichtige Segmente», erläutert Anja Wiesner, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Pädagogik und Psychologie der Universität, «Aufgrund ihrer Funktion innerhalb einer Gruppe sind Meinungsführer ein wichtiger Faktor, den es im Marketing zu berücksichtigen gilt.»

The Law of the Few nach Malcolm Gladwell (viralculture.com)
Diese Opinion Leaders müssen jedoch zuerst identifiziert werden. Eine Studie in Online-Foren bot sich deshalb an, weil man dort das Verhalten der Diskussionsteilnehmer sehr gut beobachten könne. Untersucht wurde auch die Annahme, dass Meinungsführer mehr Diskussionen und Reaktionen hervorrufen. Hier zeigte sich jedoch, dass die Gruppe der Meinungsführer zwar deutlich aktiver ist als jene der Meinungssucher, die Postings der letzteren aber in grösserem Umfang Reaktionen auslösen.
Neben den bisher genannten Aspekten war aber auch das Selbstbild der Forenteilnehmer ein weiterer zentraler Untersuchungsgegenstand. Die aktuelle Untersuchung legt hier die Vermutung nahe, dass die virtuell präsentierte eigene Person nicht immer mit der reellen Person übereinstimmt. So hat nicht jeder, der sich als Spezialist und Experte vorstellt, tatsächlich auch entsprechend fundiertes Wissen auf diesem Gebiet. Die Anonymität im Netz spielt hier eine grosse Rolle. Man geht in Online-Diskussionen kein Risiko ein, das eigene Selbstwertgefühl zu belasten. «In der Realität hingegen blamiere ich mich, wenn ich zugebe, dass ich zu einem Thema keine Meinung habe", ergänzt die Psychologin.»
Quelle: pte
» Drucken 11.12.2007. 12:26
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