
China zensiert das Netz - mit wechselndem Erfolg. (rsf.org)
Die «Internet-Nation» China ist bekannt dafür, rigide Zensurmassnahmen im Internet zu ergreifen. Doch diese «Great Firewall of China», bestehend aus automatisierter Zensur, beginnt langsam zu bröckeln. Wie am Beispiel eines Aufstandes in der chinesischen Provinz Guizhou während dem letzten Juni-Wochenende deutlich wird, versuchen sich die Online-Regimekritiker mehr und mehr der Zensur zu wiedersetzen und die staatlichen Blockaden zu umschiffen. Damals hatten Aufständische rund um Regierungsgebäude in Guizhou Feuer gelegt, um dagegen zu protestieren, wie von Staatsseite mit dem Tod eines Mädchens in der Provinz Wenig'an umgegangen wurde. Die Zensoren waren wie üblich zur Stelle und säuberten offizielle Medien und Online-Plattformen von unliebsamen Berichten über die Aufstände.
Auf Internetforen wie zum Beispiel Tianya.cn reagierte man schnell und veröffentlichte Beiträge in Formaten, die nicht von der Zensur erfasst werden konnten. So kam zum Beispiel Software zum Einsatz, die Texte seitenverkehrt formatiert und alle Sätze von rechts nach links gelesen werden müssen oder vertikal statt horizontal. Das macht ein automatisiertes Sperren der Seiten um ein Vielfaches schwieriger.
Die Proteste jedenfalls fruchteten. Die Behörden in Guizhou haben die Untersuchungen zum Todesfall der 17-jährigen Schülerin letztlich wieder aufgenommen. Der Fall war zuvor als Selbstmord abgestempelt worden, obwohl der Verdacht bestand, das Mädchen sei von mehreren Leuten mit guten Beziehungen zu den ansässigen Behörden vergewaltigt und getötet worden.
Obwohl die Olympischen Spiele immer näher rücken und China zuvor Lockerungen der Zensur sowie die Wahrung von Menschenrechten zugesichert hatte, zeigt die Regierung bisher wenig Geduld mit Dissidenten. Ausländische Kritik, unter anderem auch an Olympia-Sponsoren und Sportausrüstern, hat bislang wenig gefruchtet. Laut der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) wurden in China allein seit Jahresbeginn 24 Fälle bekannt, in denen Journalisten, Cyber-Dissidenten oder andere Aktivisten verhaftet oder zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurden.
Wie die Netzeitung gerade unter Verwendung von dpa berichtet, gewährt China auch ausländischen Journalisten während den Spielen keinen unzensierten Zugang zum Netz, offenbar sogar mit der Billigung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) - obwohl ein freier Internetzugang bei der Berichterstattung durch das IOC zugesichert worden war!
Quelle: pte
» Drucken 30.07.2008. 09:24
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