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Die digitale Spaltung

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«Die Kluft zwischen den vor 1970 und nach 1980 Geborenen hinsichtlich der IT- und Computernutzung ist enorm. Erstere werden Zeit ihres Lebens digitale Immigranten bleiben.» Zu diesem Fazit kam jüngst Moshe Rappoport von IBM Research anlässlich der 2. Zürcher Konferenz zu Web 2.0, IT-Trends und Value of IT. «Die Anzahl jener Bürger, die aus unterschiedlichen Gründen keinen oder nur einen erschwerten Zugang zum Internet haben, ist dramatisch hoch. Wenn wir uns es nicht leisten wollen, rund 30 Prozent der Bevölkerung 'draussen' zu haben, dann müssen wir uns auf die Bedürfnisse dieser Gruppen einstellen.» Mit diesen mahnenden Worten eröffnete Heidrun Silhavy, Österreichs Bundesministerin für Frauen, Medien und Regionalpolitik, den Internet Summit Austria 2008 in Wien. «Gerade in ländlichen Gebieten, in denen ohnehin eine schlechte Infrastruktur besteht, sind junge Menschen ohne Internet schlicht von der Welt abgeschnitten», stellte Bernd Rudolph von der Initiative gegen digitale Spaltung fest. Wie es scheint, klafft in der Tat eine digitale Kluft in unserer Technologie- und Informationsgesellschaft.

«Digital Natives» vs. «Digital Immigrants»

«Die meisten Jugendlichen haben bis zu ihrem 20. Lebensjahr Tausende Computerspiel-Stunden hinter sich und eignen sich dadurch Fähigkeiten und Denkmuster an, die der älteren Generation völlig fremd sind.» Der veränderte, natürliche Umgang mit Technologie zieht Rappoport zufolge grosse Auswirkungen auf etablierte Unternehmen und Wirtschaftszweige nach sich. Analog zu Computerspielen, wo man mit Risikoverhalten schnell zum Ziel komme bzw. nach einem «Game Over» einfach neu beginne, zeichne sich die junge Generation durch Risikobereitschaft und schnelles Handeln aus. Diese Denkweise spiele auch bei der Akzeptanz und Integration neuer Technologien in Unternehmen eine wichtige Rolle. Galten Manager bisher eher als Technologie-konservativ, wird es beim Eintritt der digital aufgewachsenen Generation - der sogenannten «Digital Natives» - zu einem radikalen Umdenken in Unternehmensführungen kommen.

Im Unterschied zu den Natives tun sich die zumeist schon etwas älteren «Digital Immigrants» wesentlich schwerer dabei, neue Technologien anzunehmen. Ältere Menschen kämpfen in dieser Hinsicht vor allem mit einer psychologischen Barriere: Sie wissen zunächst gar nicht, was sie mit dem Internet anfangen sollen. Haben sie diese Barriere jedoch einmal überwunden und setzen sich mit dem Web auseinander, werden sie zu begehrten Nutzern - den «Silver Surfern». Neben dem psychologischen ist aber auch der technische Aspekt für die Scheu der älteren Menschen vor dem Netz verantwortlich. Die Kommunikation im Internet erfordert Training. In fortgeschrittenem Alter fällt oft schon die Beherrschung einer Maus schwer.

Mehr zu den «Digital Natives» und den «Digital Immigrants» hier (PDF) in Marc Prensky (2001): Digital Natives, Digital Immigrants - A New Way To Look At Ourselves and Our Kids.

Nicht nur das Alter ist entscheidend

Die neuen Gräben in der Gesellschaft verlaufen jedoch nicht nur entlang den Jahrgängen. Entscheidend ist auch der Zugang zur nötigen Technologie. Für jüngere Menschen ist es heute längst selbstverständlich, im Internet nach Informationen zu suchen, elektronisch zu kommunizieren und Entertainment-Angebote zu nutzen. All diesen Angeboten ist gemein, dass zu ihrer effektiven Nutzung ein Breitband-Anschluss nötig ist. Wer nicht über einen dementsprechenden Zugang zum Web verfügt, landet im kommunikativen Abseits. Besonders betroffen von diesem Problem sind die ländlichen Regionen in Deutschland, in denen noch immer zahlreiche Breitbandlücken existieren. Dass viele ländliche Regionen (in Deutschland) nur über eine sehr schlechte oder über gar keine Breitbandversorgung verfügen, ist ein ernstzunehmendes Problem.

Ein weiterer Graben tut sich auf für Menschen mit Behinderungen. Für sie existieren derzeit im Internet viele Barrieren, obwohl Informationstechnologien gerade für diese Zielgruppen eine besondere Chance auf Integration darstellen. Barrierefreies Webdesign ist hier ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Literatur zum Thema

Quelle: pte

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» Drucken 07.10.2008. 10:47

Thinkabout on 07.10.2008. 11:53

Sehr wichtiges Thema!
Und obwohl ich zu der früheren Generation, jenseits der Schnittstelle, gehöre, völlig ohne Computer aufgewachsen bin, mich aber nach und nach dafür fit gemacht habe, scheue ich den Moment, der für uns alle kommt (und das wohl immer früher):
Den Zeitpunkt, bei dem wir nicht mehr mitkommen, den Anschluss verpassen, selbst zu den Ausgeschlossenen gehören. Die Entwicklung verläuft immer schneller, ja, scheint zuweilen fast zu rasen.
Ich kann schon heute kaum mehr entscheiden, welchen Fernseher ich denn bräuchte, bräuchte ich denn einen, welche Technologie, welches Angebot dafür zu wählen wäre. Nun, mag sein, dass das auch mit der Interessenlage zu tun hat und die reine Unterhaltung nicht das erste Problem ist. Aber es ist ein Beispiel, ein Mahnmal. Irgendwann wird man das Erkundigen, Erneuern der Habits müde, denke ich. Und dann - beginnt dann für uns alle die Vereinsamung? Wohl wahr, denke ich.
Darum ist es wichtig, dass ich als jüngerer Mensch nicht einfach mich in Facebook "auflöse", sondern dass ich das gute alte Mail pflege, trotz Messengers und iPhone und Smartphones und und und. Denn wenn mir die Entschleunigungsmöglichkeiten im Umgang mit reifen Menschen abhanden kommen, dann wird mein eigenes Leben bemitleidenswert flüchtig, nicht nur geschwind...

LD on 07.10.2008. 13:58

Das ist der erste Artikel, den ich im Netz lese, der das Spiel- und Computernutzungs-Verhalten via Risikobereitschaft in Verbindung mit dem Verhalten in der realen Arbeitswelt setzt. Diesen Aspekt habe ich bei meinen Betrachtungen der gesellschaftlichen Auswirkungen der "Informatik" bisher völlig übersehen, obwohl er ja eigentlich völlig plausibel ist.

In meinem Beitrag "Alles Beta oder was?" habe ich erst kürzlich dargelegt, wie sich die Unverbindlichkeit der "Generation New Age" (die man durchaus mit den "Digital Natives" gleich setzen kann) in der hohen Zahl der als "BETA" klassierten (Web-) Applikationen äussert. Beide Phänomene sind wahrscheinlich auf sich verändernde Denkmuster zurückzuführen, deren Ursache in den durch die neuen Technologien verursachten neuen Umwelteinflüsse zu suchen sind.

Neben der erhöhten Risikoaffinität der jüngeren Generation, die sicher mit ein Grund für die aktuelle weltweite Finanzwirtschaftskrise ist, kann ich in diesem Zusammenhang auch eine stetig wachsende Frustration ausmachen, immer wieder von Neuem beginnen zu müssen. Kaum jemand hat oder nimmt sich mehr die Zeit, seine Arbeit gründlich und gewissenhaft zu erledigen. Wir müssen alle rennen, ohne zu wissen weshalb und wohin. Deshalb werden Projekte regelmässig an die Wand gefahren und in den Sand gesetzt. Dieser Frust lässt sich wohl am einfachsten mit einem erhöhten Adrenalinspiegel bewältigen, der durch die Bereitschaft zum besagten Risiko herbeigeführt wird. Wenn ich mich so zurückerinnere, fand ich in meiner Jugend die damaligen Baller-Videospiele wahrscheinlich deshalb bald einmal langweilig und frustrierend, weil man immer wieder von Neuem beginnen musste, da man erst einen höheren Level erreichen konnte, nachdem man viel Zeit und Geld für viele Niederlagen investiert hatte.

Um meine Frustrationen nicht mit Adrenalin und Aggressionen bewältigen zu müssen, gehe ich lieber ab und zu mit Freunden am Abend ein Bierchen trinken - wie heute Abend ;-)

Klaus Voormann on 07.10.2008. 17:02

Die größte deutsche Breitbandinitiative kein-DSL hat vor einiger Zeit einen Bedarfsatlas für Breitband ins Internet gestellt: Kostenlos, transparent, auf Wunsch anonym - Schmalbandatlas. Als Beitrag zu einem schnelleren Breitbandausbau in den Gegenden, in denen eine Nachfrage erkennbar ist. Das wirkt, wie man für Teltow-Fläming in Brandenburg nachlesen kann. Aber ob das reicht? Zweifel sind berechtigt. Über einen Universaldienst muss man also diskutieren. Dafür hat die Interessengemeinschaft kein-DSL ein eigenes Unterforum eingerichtet.

Oliver Springer on 10.10.2008. 16:11

Hier werden interessante Aspekte angesprochen. Die Ursache der Digitalen Spaltung liegt bestimmt auch in einem Versagen der Firmen, ihre Produkte für die "älteren" Zielgruppen anzupassen.

Und ich gehe noch einen Schritt weiter: Soweit es den Umgang mit Computern angeht, muss sich der Mensch immer noch viel zu sehr der Technik anpassen. Es ist einfach noch zu viel (das wurde ja angesprochen) Training notwendig.

@LD: Von welcher Zeit der Computerspiele sprichst Du? Es gab mit Sicherheit auch ganz andere Arten von Spielen in der fraglichen Zeit.

Mit dieser Art von Frustration umgehen zu lernen und es immer wieder neu zu versuchen, ist doch ein gutes Training für das richtige Leben. Ich sehe das nicht so negativ.

LD on 12.10.2008. 14:53

@Oliver: Ich spreche von den Baller-Videospielen Anfang der 80-er Jahre. Damals gab es praktisch nur Spiele, bei denen man sich Level um Level erkämpfen musste. Damals hatten wir noch keinen Computer zuhause und das war die Art von Kundenbindung, welche die Spielautomaten implementiert hatten: Level um Level erkämpfen, bis die Kohle alle war. Das Resultat war immer das selbe: duseliger Kopf, Teildehydration, hoher Adrenalinspiegel und entsprechend angestauter Frust und Aggressionen. Mit dem "Training für das richtige Leben" hast Du sicher Recht. ;-) Und ich finde auch, dass man die Computer endlich den Menschen anpassen sollte und nicht umgekehrt. Bei den Autos ging das ja auch.

Gerald - hyperkontext on 02.11.2008. 13:54

Manueller Trackback:
Oktober 2008 im Kontext
[...] Die "Digital Natives" mögen zwar eine statistische Gruppe in der Alterspyramide sein, für Sozialtheorien zur Medienpartizipation reicht das nicht aus wie ich meine und Anja C. Wagner [edFutureBlog] feststellt: Participation Culture statt Net Generation. Auch Michael Gisiger [Wortgefecht] weist darauf hin: Die digitale Spaltung. [...]

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