Datenschutz dank «Teil-Identitäten»

Online den Datenschutz selbst an die Hand nehmen. (stock.xchng)
Der Schutz der Privatsphäre ist vielen Menschen ein Anliegen. Besonders als Bürger, Kunde, Patient und Benutzer des Internets oder des Telefonnetzes sehen wir uns mit einer zunehmenden Verwischung der Grenzen zwischen öffentlicher und privater Sphäre konfrontiert. Trotzdem sind sich viele gar nicht bewusst, wo und in welchem Ausmass ihre persönlichen Daten verarbeitet und gespeichert werden. Es beginnt bei simplen Cookies im Browser, setzt sich beim Gebrauch von Kredit- und Kundenkarten fort und reicht bis hin zur mittlerweile leider alltäglich gewordenen Videoüberwachung sowie Ausweispapieren mit biometrischen Daten. Damit wir nicht Opfer eines Datendiebstahls werden, müssen wir die Kontrolle über unsere Online-Identität übernehmen. Zu diesem Schluss kommen zwei Beiträge in der aktuellen Ausgabe des «International Journal of Intellectual Property Management» (IJIPM) - ein Journal, dessen Titel mir zugegebenermassen nicht besonders sympathisch ist.
Für «nutzerkontrollierte Teil-Identitäten»
Im ersten Beitrag weist Marit Hansen vom unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein darauf hin, dass die Verarbeitung von personenbezogenen Daten heute zum Alltag gehört, was dazu führt, dass der Schutz der Privatsphäre zunehmend unter Druck gerät. Der Fortschritt der Technologie erhöht die Risiken, da solche Daten vermehrt nicht mehr nur digital, sondern auch online gespeichert werden. Hansen plädiert für einen nutzerkontrollierten Ansatz und schlägt vor, dass wir online so genannte Teil-Identitäten schaffen können, die nur die im spezifischen Kontext benötigten Daten enthalten. Dazu legitimierte Stellen wie zum Beispiel ein Arzt erhalten so nur Zugriff auf die benötigte Krankengeschichte ohne gleich auch noch Kreditkartennummer, Geburtsdatum oder ähnliches abrufen zu können.
Ronald Leenes vom Institute for Law, Technology, and Society der Universität Tilburg in den Niederlanden befürwortet im zweiten Beitrag solche nutzerkontrollierten Teil-Identitäten und ist der Meinung, sie seien ein elementarer Beitrag zum Datenschutz. Leenes gibt zu bedenken, dass der gegenwärtige rechtliche Rahmen jedoch solche Massnahmen nicht zulässt und empfiehlt dringend, diese Rahmenbedingungen zuzulassen.
Und der Realitätscheck?
Mir scheint jedoch, dass weder der Staat noch die anderen beteiligten Akteure - abgesehen vom einzelnen Bürger - daran überhaupt interessiert sind. An allen Ecken und Enden wird der Abbau der Privatsphäre unter dem Vorwand der öffentlichen Sicherheit munter weiterbetrieben: Eine weitere Kamera hier, eine weitere Datenbank dort. Der Datenschutz und die Privatsphäre der Bürger bleiben dabei auf der Strecke. Wie sagte schon Benjamin Franklin, einer der Gründerväter der USA, so schön:
Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (Jene, die grundlegende Freiheit aufgeben würden, um eine geringe vorübergehende Sicherheit zu erwerben, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.)
Wie man die Risiken in Social Networks zumindest minimieren kann, habe ich hier beschrieben (vgl. dazu auch dieses Essay von James Grimmelmann der New York Law School: «Facebook and the Social Dynamics of Privacy»; Hat Tip). Die Differenz zwischen Wahrnehmung und Realität betreffend Identitätsdiebstahl im E-Commerce war hier bereits ein Thema.
Quellen: IJIPM, innovations-report.de
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Drucken | 08.12.2008 14:21
LD on 08.12.2008 16:54
Du bringst es auf den Punkt. Der Datenschutz hat immer noch eine viel zu kleine "Fangemeinde" - von einer Lobby kann leider nicht die Rede sein. Wahrscheinlich brauchen wir zuerst noch ein paar richtig deftige Datenschutz-Skandale, damit die Öffentlichkeit aufgerüttelt wird und ihre Rechte einfordert.
Der eigentliche Knackpunkt liegt darin, dass Datenschutzverletzungen kaum bestraft werden. Solange Verletzungen des Datenschutzes nicht als Offizialdelikt geahndet und angemessen bestraft werden, wird sich daran so rasch auch nichts ändern.






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