Charakterlose Gesellen im Netz

Verdirbt das Internet den Charakter? Diese zugegeben polemische These formulierte gestern G. Kustermann in seinem Beitrag im deutschen «Inquirer». Kustermann bezieht sich dabei auf die soeben erschienene Studie des Usability-Gurus Jakob Nielsen. Darin kommt dieser zum Schluss, die User würden zunehmend eigennützig und ungeduldig. Diese Studie scheint auf den ersten Blick dem Resultat der von mir kürzlich vorgestellten Untersuchung «Ranking Websites with Real User Traffic» der Indiana University zu widersprechen. Nielsen kommt nämlich im Gegensatz zu den Wissenschaftern zum Schluss, dass Google das Web beherrsche. Andererseits zeigt die Nielsen-Studie auch auf, wie Nutzer nach Informationen suchen: Geradlinig und zielgerichtet. Diese Erkenntnis deckt sich nun wieder mit den Resultaten der Informatiker der Indiana University.

User wollen also auf direktem Weg zu den Informationen gelangen, die sie suchen. 2004 sind etwa 40 Prozent der User über eine andere Seite zu ihrem Ziel gelangt. 60 Prozent benutzten Deep Links. 2008 surfen nur etwa 25 Prozent via Websites. Der grosse Rest geht zielgerichteter vor. Nielsen schliesst daraus, die Surfer benützten primär Suchmaschinen. Wenn wir jedoch die Studie der Indiana University betrachten, dann tippt etwas mehr als die Hälfte (54 Prozent) die Adresse der gewünschten Seite direkt in den Browser ein. Nun gut, Google ist so oder so derzeit unangefochten die Nummer eins - bis jemand anders eine bessere Suche anbietet...

Wichtig für die Tech-Community ist jedoch folgender Umstand, von Kustermann umschrieben, wichtig:

«Widgets und Anwendungen, die Sites 'schön' machen sollen, vermiesen den Internet-Bewohnern, die zielgerichtet wie die Trolle im Bergwerk die Informationen ausgraben, die sie haben wollen, nur den Tag. Statt artig über eine Homepage zu gehen, suchen sie gleich nach dem Deep Link, der dahin führt, wohin sie wollen.»

Quelle: it-frontal

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» Drucken 27.05.2008 13:36

LD on 27.05.2008 17:41

Früher musste man in den Discountern Denner und Pick&Pay durch den ganzen Laden laufen, auch wenn man nur eine Dose Bier oder einen Kaugummi kaufen wollte. Damit wollte man erreichen, dass der Kunde vielleicht doch noch etwas mehr in seinen Einkaufskorb packt als er beim Betreten des Laden zu kaufen beabsichtigte. Das hat unheimlich genervt und immer mehr Kunden mieden diese Discounter für Kleineinkäufe, weil das einfach ineffizient war. Irgendwann haben diese es dann doch noch geschnallt und ihre Verkaufsflächen durchgängig gemacht.

Das Gleiche lässt sich heute auch im Web beobachten. Die Geschichte der Menschheit besteht aus Wiederholungen. Wie Tim Berners-Lee schon vor Jahren gesagt hat: mit maximal drei Klicks muss jeder Inhalt einer Website erreichbar sein.

J.v. Lensing on 29.05.2008 12:15

Zitat "Statt artig über eine Homepage zu gehen, suchen sie gleich nach dem Deep link, der dahin führt, wohin sie wollen."

Kann ich so bestätigen ! Eigentlich schade um die oftmals ausgesprochen professionell und ansprechend gestalteten Intros:

Reine Zeitverschwendung ! (Inzwischen schon konditionierte) Reaktion: Skip Intro.

Gruß

J.v. Lensing

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