
Das Podium im StageOne (Microsoft)
Wie bereits erwähnt, fand gestern in Zürich unter anderem eine Podiumsdiskussion zum Thema «Die Zukunft der digitalen Unterhaltung» mit Steve Ballmer, CEO von Microsoft, statt. Zusammen mit Ballmer diskutierten die Teilnehmer im «StageOne» unter der Leitung von Roger Köppel («Weltwoche») über die relevanten Trends in den Branchen Print, TV, Musik und Computerspiele. Der von Microsoft organisierte Anlass fand im Rahmen des Schweiz-Besuchs von Ballmer statt und war auch dazu gedacht, der «Connected Entertainment Vision» der Firma eine Plattform zu bieten.
Auf dem Podium diskutierten vor einem geladenen Publikum (auf dem Bild v. l. n. r.) Oliver Rosa (Managing Director Warner Music Schweiz), Bruno Beusch (TNC Network, gamehotel.net), Roger Köppel (Moderation), Steve Ballmer, Dominik Kaiser (Gründer «3+») und Thomas Trüb (Konzernleitung Ringier, Bereich Neue Medien). Mein anfänglicher Eindruck, dass da vier vertreter der «Verlierer» aus den traditionellen Medien mit einem halbwegs in den Neuen Medien verankerten (Ballmer) und einem Teilnehmer, der dort zuhause ist (Beusch), diskutieren, wurde zum Glück kaum bestätigt.
Ballmer: «It's a lot of fun.»
Für Ballmer stehen drei Themen in der digitalen Unterhaltung im Vordergrund. Wir alle werden auf immer mehr unterhaltende Inhalte Zugriff haben, wobei die Inalte immer mehr von den Usern selbst generiert werden. Entertainment ist Ballmer zufolge eine «social activity».
Rosa: «We have to protect it.»
Die Konsumenten wollen in Zukunft vor allem eines: Einfach Musik hören, die zu ihrem Lifestyle passt. Dabei ist es wichtig, dass der Erwerb und das Hören - also die Geräte - einfach gehalten sind. Die Musikindustrie ist laut Rosa nur das erste «Opfer» gewesen, alle Content-Produzenten müssten sich dringend mit einem verbesserten Schutz der Inhalte befassen. «We have to protect it, because the creators want a kick-back.»
Beusch: «More Power is given to the gamers.»
Auch Bruno Beusch ist der Meinung, dass User Generated Content immer mehr Einzug hält auch in die Welt der Computerspiele. So können z.B. beim soeben erschienenen «Halo 3» (von Microsoft) user-generierte Levels geladen werden. Beusch sieht drei wichtige Trends im Bereich Games: 1. eine «New Simplicity»: Da immer mehr Nicht-Gamer in den Fokus der Hersteller rücken, werden neue Konzepte und vereinfachte Interfaces ersonnen, die auch für unerfahrene Spieler schnell zu erlernen sind. 2. einen «Social Aspect»: Die Öffnung der Zielgruppen wird eine Verschmelzung von traditionellen Gamer-Communitys und Social Networks bringen. 3. User-generated Content wird an Bedeutung massiv zunehmen.
Kaiser: «Classical TV will stay popular.»
Für Kaiser stehen im TV-Bereich zwei unterschiedliche Themenfelder im Fokus. Einerseits die Frage, wie die Inhalte technisch produziert und gemanagt werden. Hier sieht Kaiser kaum mehr Platz für grosse Entwicklungen. Bei seinem Sender «3+» zum Beispiel werde alles bereits digital erstellt und archiviert. Ein «big leap» sei hier also nicht mehr zu erwarten. Anders sieht es aus mit den Konsumgewohnheiten. Der Konsum audiovisueller Inhalte wird weiter ansteigen, wobei das klassische Fernsehen weiter eine wichtige Rolle einnehmen wird. Während Musik schon immer mobil konsumiert wurde (Autoradio, Walkman etc.), sei die Akzeptanz für mobiles Fernsehen eher gering. Kaiser glaubt nicht daran, dass sich dies in Zukunft gross ändern wird.
Trüb: «Digital strategies.»
Trüb, der im Laufe des Podiums kurz seinen iLiad (Lesegerät für elektronische Zeitungen) hervorholte, sieht für den Printbereich hauptsächlich zwei Herauforderungen: Die crossmediale Aufbereitung der Inhalte und die Distribution über neue Kanäle. Vor allem die mobile Verbreitung dürften die Verlage nicht verpassen.
Alles in allem waren es 45 unterhaltsame Minuten, bei denen jedoch kaum Neues zutage gefördert wurde. Positiv überrascht hat mich einzig Thomas Trüb von Ringier, der offenbar die Zeichen der Zeit erkannt hat. Fraglich nur, ob es Ringier als Ganzes auch tut. Enttäuscht hat Oliver Rosa. Wie es scheint, hat die Musikindustrie immer noch nicht erkannt, wohin der Weg führt. Wahrscheinlich wird sie es nie mehr lernen und - anders als die Printmedien - radikal zurecht gestutzt werden.
Moderator Roger Köppel - im «Konfirmanden-Anzug»? - konnte es nicht lassen, einige Spitzen gegen die direkte Konkurrenz von Ringier loszulassen, was der Diskussion aber nicht schadete. Im Gegenteil. Köppel bezeichnete sich zudem im Vergleich zu den übrigenn Teilnehmern als einzigen richtigen «Old Media dinosaur» auf dem Podium.
» Drucken 05.10.2007. 11:28
An und für sich ein heisses Thema, aber tod-langweilig und kompliziert geschrieben. Schade.
Kommentar schreiben