Zell: Nichts gelernt, alles verloren

Der US-Immobilien-Tycoon Sam Zell hatte sich zu Beginn des letzten Jahres den Luxus eines eigenen Medienunternehmens geleistet. Er kaufte sich mit der Tribune Co. eines der grössten Medienhäuser des Landes (unter anderem die «L.A. Times», die «Chicago Tribune» und über 20 TV-Stationen). Zell gehörte nach einer Rede in Stanford für mich zur Kategorie jener Medienunternehmer, die es nie lernen werden oder wollen. Seine Aussage damals: «If all of the newspapers in America did not allow Google to steal their content, how profitable would Google be?» Und nun, anderthalb Jahre später, Chapter 11 für die Tribune Co.

Das fundamentale Unverständnis für den gegenwärtigen Kulturwandel, ausgelöst durch das Internet, fordert nun seine Opfer. Nicht nur, dass Zell das Geschäftsmodell von Google nicht verstanden hat - er wäre wahrscheinlich besser bei seiner Kernkompetenz, den Immobilien, geblieben.
Wenigstens ist - dieses Mal - das Internet nicht schuld. Zell machte das schwierige konjunkturelle Umfeld für die Schwierigkeiten mitverantwortlich. Die Einnahmen seien zuletzt eingebrochen, und die Finanzkrise mache es schwierig, Kredite anzuwerben, teilte er mit.
«Lose billions on newspapers»
Jason Calcanis schrieb damals angesichts der Rede Zells in seinem Blog unter dem heute schon fast prophetisch anmutenden Titel «Sam Zell is going to lose billions on newspapers» die folgenden Zeilen:
If Sam Zell is the future of the newspaper industry then the newspaper industry is dead [...] Frankly, many newspapers deserve to die. If they can't adapt who cares--a new group of publications and communication devices will rise and fill the void.
Ja, Zell war die Zukunft - und ja, die Branche ist tot ...
|
Drucken | 09.12.2008 08:07
Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert.


Das Wiki befasst sich mit Social Media und deren Einfluss auf PR, Marketing und traditionelle Medien.
Kommentar schreiben