
Die Holzmedien und das Internet: Eine unendliche Geschichte? (stock.xchng)
«Zeitungen müssen so experimentierfreudig wie möglich sein, wenn es darum geht, die eigene Zukunft im Internet zu sichern.» Diese Worte richtete die ehemalige Geschäftsführerin von Washingtonpost.Newsweek Interactive, Caroline Little, letzte Woche an die Teilnehmer der «World Digital Publishing Conference» der World Association of Newspapers (WAN) in Amsterdam. Die Zeitungsindustrie werde von einer «noch nie dagewesenen Menge an Düsterkeit und Verderben umhüllt», die den wirtschaftlichen Druck auf die Unternehmen wachsen lasse.
Auch das von vielen als «Goldmine» gesehene Internet habe es bislang nicht zu Wege gebracht, die Einkunftsströme der Zeitungen wieder fliessen zu lassen. «Heute haben sogar solche Medienunternehmen grosse Probleme damit, ihre Profite aufrecht zu erhalten, die früher unanständig hohe Gewinnmargen erzielt haben», sagte Little.
Auslandsbüros und investigative Abteilungen würden derzeit reihenweise demontiert und geschlossen. Bei dem gegenwärtigen Wirtschaftsklima sei es zudem nur schwer vorstellbar, dass potenziell so vielversprechende Bereiche wie der digitale Vertrieb den Firmen reiche Umsatzströme bescheren können. «Trotz gewaltigem Publikum und enormer Reichweite fallen die Einkünfte, die Zeitungen mit ihrem Online-Angebot erwirtschaften, im Vergleich zu ihren Print-Pendants noch zu gering aus», stellte Little fest. Als konkrete Beispiele nannte sie die «New York Times» und die «Washington Post», die beide zu den Top-Verdienern der Branche im Internet gehören. «In beiden Fällen bleibt das Verhältnis der Online- zu den Print-Umsätzen unter 20 Prozent. Das ist nicht einmal annähernd ausreichend», betonte Little.
Das Problem liegt nach ihrer Auffassung vor allem darin begründet, dass ein Grossteil der Zeitungen ihre Internetpräsenzen immer noch ausschliesslich nutzen würden, um ihre ohnehin schon bestehenden Printinhalte auch online zu veröffentlichen. «Wir müssen unseren Horizont erweitern und dürfen keine Angst davor haben, etwas Neues auszuprobieren. Wer zu konservativ bleibt, riskiert alles zu verlieren», mahnte Little. Um erfolgreich wachsen zu können, sollten Zeitungsbetriebe zwar «mit einem Fuss in den journalistischen Kernwerten des ursprünglichen Hauptprodukts» verhaftet bleiben. «Mit dem anderen sollten jedoch die Fühler so weit wie möglich ausgestreckt werden, um in dem neuen Medium Internet neue Dinge auszuprobieren.»
Littles mahnende Worte fielen parallel zur Feststellung des Allensbacher Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD), das in der aktuellen Ausgabe ihrer «Allensbacher Computer- und Technik-Analyse» (ACTA) festhält, dass das Internet die Zeitungen als Informationsquelle Nummer eins überholt. Mit dem Internet verschiebt sich nicht einfach nur das Mediengefüge, sondern es entsteht vielmehr eine völlig neue Informationskultur. Diese Entwicklung habe für die klassischen Medien besonders bei jüngeren Nutzern einschneidende Konsequenzen. So ist das Internet im Informationsalltag der Unter-40-Jährigen hierzulande bereits präsenter als die Zeitung.
Während die Zeitungsbranche mit sinkenden Auflagen- und Verkaufszahlen in Folge der Abwanderung vieler Leser ins Web kämpft, erfreuen sich entsprechende News-Portale im Netz zunehmender Beliebtheit. Die Online-Plattform des Magazins Spiegel erreicht laut ACTA 2008 nunmehr etwa drei Mio. Nutzer pro Woche, ein Wachstum von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch andere Nachrichtenportale wie FAZ.net (47 Prozent), Welt Online (39 Prozent) oder Bild.de (41 Prozent) erzielten enorme Zuwächse. Diese Portale punkten mit Aktualität und interaktiven Features.
Besonders deutlich wird die Verschiebung in der Mediennutzung laut der ACTA-Analyse bei den jüngeren Bundesbürgern mit Hochschul- oder Fachschulabschluss. So gaben innerhalb der 20- bis 39-Jährigen mit 51 Prozent bereits mehr als die Hälfte der Befragten an, das Internet als wichtigste Informationsquelle für das aktuelle Geschehen zu nutzen. Die Zeitung, die immerhin noch 46 Prozent als wichtigste Quellen sehen, wurde somit in diesem Jahr erstmals überholt. Auch die Bedeutung des klassischen Fernsehens beginnt in dieser Altersgruppe zu bröckeln. Erzielte der TV-Bereich noch vor drei Jahren einen Wert von 74 Prozent, zeichnet sich 2008 mit einem Rückgang auf 67 Prozent ein deutlicher Abwärtstrend ab. Dies haben natürlich auch die wichtigen Werbekunden schon bemerkt.
Quelle u.a.: pte
» Drucken 20.10.2008. 10:41
Gerald - hyperkontext on 02.11.2008. 13:51
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Oktober 2008 im Kontext
[...] Derweil die langsam in sich zusammenstürzende Medienindustrie das nicht mehr nur schweigend kaufende Fußvolk verfolgt, bedroht und verklagt oder sehr dreist manipulieren will. [...]
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