Von Gatekeepern und Konsumenten
Die Auswahl der Themen, welche die Medienkonsumenten selber bevorzugen, divergiert deutlich von den Inhalten, welche die Mainstream-Medien transportieren. Die Gatekeeper filtern also an den Interessen ihrer Konsumenten vorbei. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung des Pew Research Centers. Es wurden über einen Zeitraum von sieben Tagen die Schlagzeilen in 48 unterschiedlichen Massenmedien aus den Bereichen Print, TV, Radio und Online, mit der Themengewichtung dreier Nutzer-generierter Portale (Digg, del.icio.us und Reddit) verglichen.
Die Interessen der professionellen Redaktionen unterschieden sich dabei deutlich von den Vorlieben der Leser. Sieben von zehn Artikel der Websites stammten nicht aus den klassischen Nachrichtenmedien, während sich nur fünf Prozent der Meldungen mit den zehn Themen deckten, die landesweit die meiste Berichterstattung erfuhren.
Noch prägen die Early Adopters das Bild
Während die Nachrichten in der Woche der Untersuchung vom Irakkonflikt und der Immigrationsdebatte bestimmt wurden, interessierte sich das Online-Publikum eher für den Konsolenkrieg zwischen Nintendo und Sony und die Vorstellung des Apple iPhones. Die Ausrichtung auf Technologie-Themen begründet sich darin, dass Early Adopters die ersten gewesen waren, die das Potenzial von User-generierten Inhalten erkannt haben und sich an diesen Seiten auch aktiv teilnehmen.
Einen der grössten Unterschiede findet sich in der Gewichtung einzelner Nachrichten, so die Untersuchung. Während Mainstream-Medien dazu tendieren, dasselbe Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten, bevorzugen die Konsumenten eher eine grosse Bandbreite an Informationen. Die Tendenz geht in Richtung weniger Informationen zu mehr Themen. Die Menschen interessieren sich also für weit mehr Themen als es auf die Agenda der Gatekeeper schaffen. Der Autor der Studie, Tom Rosenstiel: «Es zeigt sich, dass Nutzer ihre Themenauswahl selbst im Stil eines Redakteurs treffen. Das was hier passiert, ist eher ein zusätzlicher Diskurs zu den Nachrichten,» denn ein Bedeutungsverlust der traditionellen Medien. Eine Neue Medien-Kompetenz eben. Allerdings belegt ein weiterer Report von Pew die deutliche Zunahme der kritischen Medienrezeption durch die Konsumenten in den USA seit 1985.
Quellen: bbc, pte
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Drucken | 12.09.2007 16:16
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