Unterschichtenmedium Fernsehen?

Abstract TV
Macht uns das Fernsehen glücklicher? (stock.xchng)

Schauen glückliche oder doch eher unglückliche Menschen mehr TV? Dieser Frage ging eine neue Langzeitstudie der Universität Maryland nach. Anhand der Erhebung «General Social Survey» (GSS), die zwischen 1975 und 2006 30'000 erwachsene US-Amerikaner erfasste, untersuchten die Forscher die Verhaltensmuster der erfassten Personen. Demnach sind glückliche Menschen sozial aktiver, wählen öfter, lesen mehr Zeitungen und besuchen öfters Gottesdienste. Unglückliche Menschen schauen hingegen signifikant mehr Fernsehen. Die Ergebnisse wurden im Journal «Social Indicators Research» veröffentlicht.

Diese Resultate stehen nur scheinbar im Widerspruch mit anderen Erhebungen, die jeweils feststellten, dass fernsehen Glücksgefühle auslöst. John Robinson, einer der Studienautoren meint dazu: «These conflicting data suggest that TV may provide viewers with short-run pleasure, but at the expense of long-term malaise.» Zudem zeigten laut Johnson frühere Untersuchungen auch, dass der TV-Konsum generell als weniger befriedigend eingestuft wird als andere Freizeitaktivitäten. «What viewers seem to be saying is that while TV in general is a waste of time and not particularly enjoyable, the shows I saw tonight were pretty good.»

Fernsehen ist bequem

Die Autoren der Studie heben hervor, dass das TV-Schauen eine bequeme Form der Freizeitgestaltung ist. Konsumenten müssen dazu nirgendwo hingehen, sie müssen sich nicht anziehen, müssen keine Begleitung finden - kurz, sie müssen keinen Aufwand betreiben, um sich von Unterhaltung berieseln zu lassen. Zusammen mit dem kurzfristigen Glücksgefühl eine verlockende Alternative. Für die Autoren ist dies mit der Grund für den hohen TV-Konsum der Amerikaner. Sie verbringen mehr als die Hälfte ihrer freien Zeit mit der Flimmerkiste.

Fernsehen macht nicht glücklich

Homer TV

Der Zusammenhang zwischen Glück und TV-Konsum ist bemerkenswert, zumal in der Theorie eine angenehme Freizeitgestaltung das Leben insgesamt glücklicher macht. Die vorliegende Untersuchung zeigt jedoch in eine andere Richtung: Unglückliche Menschen wenden fast 20 Prozent mehr Zeit zum Fernsehen auf als sehr glückliche, unabhängig von Bildung, Einkommen, Alter und anderen sozio-demografischen Faktoren.

Unklar bleibt jedoch, ob Glücklich sein zu weniger TV-Konsum führt oder umgekehrt erhöhter Konsum unglücklich macht.

Steven Martin, der zweite Autor der Studie, vergleicht die Situation mit einer Sucht: «Addictive activities produce momentary pleasure but long-term misery and regret. People most vulnerable to addiction tend to be socially or personally disadvantaged, with TV becoming an opiate.» Ich freu mich schon auf die erste Langzeitstudie zum Internet-Konsum ...

Der Artikel «What Do Happy People Do?» von Robinson/Martin kann hier im Volltext als HTML oder PDF gelesen werden.

Quelle: innovations-report.de

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| Artikel drucken Drucken | 14.11.2008 10:33

LD on 14.11.2008 22:51

Ich schaue mit der Familie gerade Domino Day auf RTL und hier wird mir bestätigt, dass Fernsehen verblödet oder eben vor allem auf intellektuell schwach dotierte Zuschauer ausgerichtet ist. Besonders bezeichnend ist die Wortwahl der Moderatoren und Kommentatoren. Würde ich das Bild mit den fallenden Dominosteinen nicht sehen, könnte ich mich auf einem TV-Shopping-Kanal wähnen. Die Attribute der Superlative überbieten sich gegenseitig und alles ist soooo super toll und alle sind so positiv eingestellt! Da vergisst man doch glatt die tobende Wirtschaftskrise. Sauglattismus à la endemol!

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