«Terrestrischer Waldweg»

Findet das Radio seinen Weg in der Konvergenz? (stock.xchng)
Während am vergangenen Wochenende in der Schweiz der «Medienminister» Leuenberger mit der Neuvergabe der privaten TV- und Radio-Konzessionen die Radiolandschaft des Landes neu gemischt hat, fanden in München die Medientage 2008 statt. Dort unterhielten sich die Experten unter anderem auch über die Zukunft des Radios in Zeiten der Konvergenz. Den Panelteilnehmern zufolge tut sich das Medium Radio besonders schwer damit, neue wirksame Wege zum Hörer zu finden. Über Sinn und Unsinn von Konzessionen werde ich mich heute nicht mehr äussern. Das habe ich hier und hier bereits getan.
Der analoge UKW-Empfang spielt zwar allen früheren Digitalisierungsprognosen zum Trotz nach wie vor die entscheidende Rolle bei der Radionutzung, das Internet gewinnt aber vor allem bei jugendlichen Hörern zunehmend an Bedeutung. «Die Nutzungserwartungen an Audioangebote werden sich schrittweise an die Nutzungssituation des Internets anpassen und damit zu einer Individualisierung führen», stellte Andreas Arntzen, Geschäftsführer der Verlagsgesellschaft Madsack und Initiator von Radio.de auf dem Panel am vergangenen Donnerstag fest.
Vom Radio- zum Audioanbieter
«Radio ist die einzige Mediengattung, die noch auf einem terrestrischen Waldweg fährt», kritisierte Arntzen. Man bewege sich noch zu sehr in traditionellen Bahnen und habe es verabsäumt, frühzeitig die Verbreitungswege der Zukunft zu besetzen. «Wenn es Internetunternehmen wie Google gelingen sollte, die Datenautobahn auch für das Radio zu besetzen, werden die Radioanbieter in einigen Jahren dafür bezahlen müssen, um ihre Reichweite zu behalten», mahnte Arntzen. Die Herausforderung bestehe für Radiobetriebe aber auch darin, den Wandel hin zum Audioanbieter zu meistern, der den Hörern unter den vertrauten Hörfunkmarken die verschiedensten Audioangebote bietet. «Die Menschen wollen heute Audio haben und das besteht eben nicht nur aus Musik, Infos und Moderation, sondern beinhaltet beispielsweise auch einen Spanischkurs oder ein Hörbuch», erläuterte Arntzen.
Neue Hörgewohnheiten und Nutzungsmuster
«Neue Radionutzungsmuster erfordern passende und neue Angebote», erklärte Karlheinz Hörhammer, Vorsitzender der Geschäftsführung beim Radiosender Antenne Bayern. Wenn die User nicht zum Radio kommen, müsse man sie eben dort abholen, wo sie gerade sind. Möglich sei dies etwa durch die Schaffung eines vielfältigen Zusatznutzens durch On-Demand-Angebote, Webradios und mobile Streams. «Ziel ist, die Nutzer emotional an das Radio zu binden, über alle Verbreitungswege hinweg», so Hörhammer. Dass die Branche sich völlig neu orientieren muss, bestätigte auch Georg Hug, Programmchef des Senders SWR3. «Wir haben dem Hörer früher einfach etwas vorgesetzt, was er schlucken musste. Das funktioniert künftig nicht mehr», betonte Hug. Er sei davon überzeugt, dass der Hörfunker sich darauf einstellen müsse, künftig auch mit Bewegtbildern zu arbeiten.
Chance Internet
«Die positive Entwicklung des Online-Bereichs ist keine Bedrohung für das Radio, sondern eine Chance», merkte Lutz Kuckuck, Geschäftsführer der Radiozentrale Berlin an. Denn das Web sei schliesslich selbst kein Medium, sondern lediglich eine Plattform, auf der Audio ebenso wie Print und TV abgerufen werden könne. «Um im Internetzeitalter bestehen zu können, ist es vor allem wichtig, das es dem Radio gelingt, seine Markenstärke als Tagesbegleiter auszuspielen», fasste Kuckuck zusammen.
In der Mediathek der Medientage findet man übrigens Audio- und Videobeiträge zum Panel. Suchen im Thema «Hörfunk» im Jahrgang 2008. Nur schade, dass sich diese nicht einbinden lassen ... Offenbar glaubt man nicht so recht an die eigenen Predigten.
Quellen: medientage-muenchen, pte
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Drucken | 03.11.2008 11:00
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