Es ist irgendwie unglaublich: 218 Jahre nach der Französischen Revolution zensiert ein spanisches Gericht die Satirezeitung «El Jueves» und deren Webauftritt. Die Seite wurde vom Netz genommen (derzeit ist nur die richterliche Verfügung aufgeschaltet) und der Verkauf der Printausgabe verboten. Der Grund? Beleidigung der Krone, was nach dem spanischen Strafrecht mit bis zu zwei Jahren Haft beschwert ist. Allerdings war die Ausgabe des jeweils mittwochs erscheinenden Magazins am Tag des Urteils bereits ausverkauft.

Majestätsbeleidigung: «El Jueves»-Cover
Grund für dieses an absolutistische Zeiten erinnernde Urteil ist das obige Cover der Ausgabe von letzter Woche. Das Cover zeigt den spanischen Kronprinzen Felipe und seine Frau Letizia beim Sex. Dazu die Überschrift «2'500 Euro pro Kind». Ausserdem werden in der Sprechblase dem Kronprinzen die Worte «Ist dir das klar: wenn du schwanger wirst, habe ich zum ersten Mal in meinem Leben etwas getan, was ganz nah an wirkliche Arbeit herankommt» in den Mund gelegt. Hintergrund für diese Aufmachung ist ein kürzlich gefällter Beschluss der spanischen Regierung mit einer «Babyprämie» von 2'500 Euro die Geburtenrate in Spanien steigern zu wollen.
Zweierlei Mass
Man mag von diesem Cover halten, was man will. Aber ganz abgesehen davon, dass Pressezensur in meinen Augen per se verwerflich ist, halte ich es für völlig unvertretbar, dass in einem modernen Staat wie Spanien noch der Straftatbestand der Majestätsbeleidigung besteht. Es wird also mit zweierlei Mass gemessen: Hätte das Magazin anstelle des Kronprinzenpaars den regierenden Ministerpräsidenten Zapatero mit seiner Ehefrau Sonsoles abgebildet, der schliesslich diese «Wurfprämie» zu verantworten hat, wäre - ausser einem Sturm im Wasserglas - kaum etwas passiert. Ich dachte immer, Privilegien qua Geburt seien endlich überwunden. Gerade auch vor dem Hintergrund der dänischen Mohammedkarikaturen ist so etwas einfach nur kontraproduktiv.
» Drucken 23.07.2007. 12:57
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