Online only kein Ausweg?
Es gibt derzeit einige Printtitel, die angesichts der schlechten Marktsituation mit dem Gedanken spielen, ihr Erscheinen komplett ins Netz zu verlagern und auf die Papierausgabe zu verzichten. In den USA haben bereits einige Zeitungen diesen Schritt vollzogen und auch in der Schweiz erscheint seit einiger Zeit die Wirtschafts-Gratiszeitung «cash» ebenfalls nur noch online. Doch ist dieses Geschäftsmodell auf Dauer tragbar? Ein Beispiel aus Finnland.
Die finnische Wirtschafts-Tageszeitung «Taloussanomat», die mir aus meiner Finnland-Zeit noch gut in Erinnerung ist, erscheint bereits seit dem 28. Dezember 2007 aus Kostenreduktionsgründen nur mehr ausschliesslich online. Wie eine Fallstudie (PDF) der City University London jetzt zeigt, hat sich dieser Wechsel jedoch nicht gelohnt: durch die Umstellung habe der Titel mindestens 75 Prozent seines Umsatzes eingebüsst. Verantwortlich hierfür sind laut Bericht vor allem die fehlenden Werbeeinnahmen und Abonnementeinnahmen aus dem Printgeschäft. Auch die ursprünglich erhoffte Besuchersteigerung auf der Webseite blieb zur Überraschung der verantwortlichen Herausgeber aus.
Wie Neil Thurman von der City University in seinem Bericht bestätigt, ist der Internet-Traffic auf der entsprechenden Seite nach der Umstellung auf ein reines Online-Produkt zwar kurzzeitig leicht angestiegen. Über einen Zeitraum von fünf Monaten gerechnet seien die Besucher- und Zugriffszahlen allerdings um rund 22 Prozent gefallen. Im Vergleich zur letzten Woche, in der die «Taloussanomat» noch als Printausgabe erschienen ist, entspricht das einem Rückgang um elf Prozent.
Mal sehen, wie lange «cash» durchhält. Ich denke jedoch, dass sich das Ringier-Produkt angesichts seiner Marktführerschaft in der Schweiz doch behaupten könnte. Wir werden sehen. Übrigens: seit Mai 2008 erscheint die «Taloussanomat» wieder auf Papier - als lachsfarbene Wirtschaftsbeilage der Gratiszeitung «Metro» ...
Quellen: pte, m&m
» Drucken 23.04.2009 21:30
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