Obsoleszenz

Zum Weihnachtsgeschäft 2006 verschwanden die letzten leeren VHS-Kassetten aus den Regalen der Supermärkte in den USA. Somit muss damit gerechnet werden, dass spätestens in zehn Jahren keine Abspielgeräte für VHS mehr erhältlich sein werden. Ein ähnliches Schicksal droht demnächst auch der Audiokassette: Im letzten Jahr wurden in den USA nur noch gerade 700'000 Stück verkauft. Tendenz sinkend. Der Fachmann (schliesslich bin ich von Haus aus Historiker) bezeichnet das Verschwinden der nötigen Abspieltechnologie als Obsoleszenz (Veralterung). Ist die Technologie einmal vergessen, sind auch alle auf den entsprechenden Datenträgern gespeicherten Informationen über kurz oder lang verloren.
Aktuell feiert der Datenträger Compact Disc sein 25jähriges Bestehen. Am 17. August 1982 produzierte Philips in Deutschland die erste CD. Seither revolutuionierte sie den Musikmarkt und es wurden über 200 Mia. Stück verkauft. Die CD bedrängte den Verkauf von Musik auf Vinyl (Schallplatten) und Audiokasette nachhaltig. Vom Verkauf leerer Kassetten ganz zu schweigen. Im Jahr 1990 gingen in den USA 442 Mio. Kassetten über den Ladentisch - 2006 noch ganze 700'000. Das Ende der Kassetten zeichnet sich ab. Auch die Tage der CD sind in absehbarer Zeit gezählt.
Erhalt des audiovisuellen Kulturguts
Die Obsoleszenz bedroht Datenbestände und Kulturgüter weltweit. Vieles wird für immer verschwinden. Natürlich ist der Verlust der Abspieltechnologie nicht das alleinige Problem. Vor allem die nicht-fachgerechte Lagerung der Datenträger führt zu riesigen Verlusten. Bekannt sein dürfte zum Beispiel die Problematik im Zusammenhang mit Film: Alte Filmrollen aus Nitrat verbrennen unlöschbar bei zu grosser Hitze. Das Nachfolgematerial Acetat zerstört sich durch den Abbau der Essigsäure selber. Aber auch Videobänder und CD/DVD sind keineswegs für die Ewigkeit gedacht. Sie können - abgesehen von der Obsoleszenz - auf vielfältige Weise mechanisch unlesbar werden. Sei es durch Kratzer oder wegen unsachgemässer Lagerung.

Den Erhalt und die Erschliessung (ein weiteres Problem!) des schweizerischen audiovisuellen Kulturgutes hat sich der Verein «Memoriav» auf die Fahne geschrieben. Er trägt damit zur Erweiterung des kollektiven Gedächtnisses des Landes bei. Memoriav bildet und betreibt ein Netzwerk von Institutionen und Personen, die audiovisuelles Kulturgut erhalten, produzieren oder nutzen, mit dem Ziel, Kompetenzen und Informationen auszutauschen und die vorhandenen Ressourcen besser auszuschöpfen. Der Verein stösst Projekte zur Erhaltung, Erschliessung und Vermittlung audiovisueller Kulturgüter an und unterstützt diese. Mit der Datenbank «Memobase» betreibt der Verein einen Katalog, der den direkten Zugriff auf verschiedene audiovisuelle Sammlungen ermöglicht. Den interessierten Laien und betroffenen Fachleuten steht der Verein mit Rat und Tat zur Seite. Auch eine Notfallhilfe, zum Beispiel bei Hochwasser, wird angeboten.
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Drucken | 17.08.2007 14:24
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