Mief statt «Lifestyle»

Skeptische Deutsche: klassische Medien dominieren. (wollbinho/Flickr)
Die Deutschen verwenden im Vergleich am wenigsten Zeit für mediale Aktivitäten (63 Stunden/Woche), lehnen personalisierte Werbung ab und legen keinen grossen Wert auf Breitbandinternetanschlüsse und Unterhaltungselektronik. Zu diesem Schluss kommt die weltweite Deloitte-Studie «The State of Media Democracy». Die Deutschen werden also ihrem Ruf gerecht, Skeptiker bei der Adaption und Nutzung neuer Medienangebote zu sein. Am besten ausgestattet sind die Amerikaner und Briten, den meisten Enthusiasmus findet man bei Brasilianern und Japanern.
Blogger-Nation Japan
Für die Studie wurden über 8'800 Verbraucher in Grossbritannien, Japan, Brasilien, den USA und Deutschland zu ihren Mediennutzungsgewohnheiten befragt. Auf Deutschland entfielen 1'882. Jedes der untersuchten Länder weist in einem bestimmten medialen Bereich Spitzenwerte vor: So verfügen die US-Amerikaner über die meisten Digital-Videorecorder, die Briten haben die meisten Notebooks, Flachbildschirm-Fernseher und Digitalradios, die Japaner haben die grösste Erfahrung in der Anwendung von Mobiltelefonen und die Brasilianer verbringen die meiste Zeit mit Medien aller Art. Letztere fühlen sich auch von allen Befragten am wenigsten von Online-Werbung gestört. Jedoch beschränkt sich das allgemeine Medieninteresse hier vorwiegend auf die jüngere, urbane Bevölkerung, während in den USA, Grossbritannien und Deutschland auch die Älteren immer stärker von den technologischen Entwicklungen im Medienbereich profitieren. Erstaunlicherweise legen die als technologieversessen geltenden Japaner wenig Wert auf die jeweils maximal verfügbare Bandbreite. Sie sind auch die Einzigen, die eigenen Content statt in sozialen Netzwerken lieber als Blog ins Netz stellen.
Nutzergenerierte Inhalte im Kommen
In Deutschland gehört die Bevölkerung mit einem Durchschnittsalter von 44 Jahren wie auch in Japan zu den ältesten weltweit - davon sind hierzulande 64 Prozent online. Entsprechend ihrem Ruf zeigten sich die Deutschen reserviert gegenüber Trends und Entwicklungen auf dem Medienmarkt. Faktoren wie «Faszination» und «Lifestyle» spielten für sie im Zusammenhang mit Technologie kaum eine Rolle. Doch sind die Deutschen keinesfalls technikfeindlich. Zwar lesen sie im Vergleich mehr Bücher, hören konventionelles Radio und sehen «normales» Fernsehen. Jedoch nutzt mehr als die Hälfte ihren Computer häufiger zur eigenen Unterhaltung als den Fernseher, über ein Viertel verwendet das Mobiltelefon als Entertainment-Plattform. Auch wird viel Zeit mit Online-Gaming verbracht. Und die Deutschen sind sendungsbewusster als angenommen: 41 Prozent veröffentlichen eigene Inhalte: 38 Prozent stellen mithilfe aktueller Technologie eigene Unterhaltungsprogramme aus Musik, Fotos und Videos zusammen.
Jung vs. Alt
Die befragten Studienteilnehmer lassen sich in drei Altersgruppen aufteilen: «Millenials» - auch Generation Y genannt - (14-25 Jahre), «Xers» oder Generation X (26-32 Jahre), «Baby Boomer» (34-43) und «Matures» (44+). Während die junge Zielgruppe statt auf TV-Konsum und vorgefertigte Angebote auf eigenen Content setzt und das Internet vorwiegend als soziales Medium nutzt, sind die Älteren eher online-abstinent und informieren sich durch klassische Medien («Paper Generation»). Die mittlere Altersgruppe tut beides: Sie setzt den PC als Allzweck-Instrument ein (vorwiegend auch in Social Networks), liest aber lieber Zeitungen und Magazine.
In Deutschland dominieren also nach wie vor die traditionellen Massenmedien wie TV und Zeitungen. Aber gerade die Jüngeren entdecken verstärkt die technischen Möglichkeiten von Internet und Multimedia auf ihren Endgeräten. Generell sind die Deutschen aber schwerer zu begeistern als beispielsweise Anglo-Amerikaner oder Brasilianer. Da der Sättigungsgrad bei zahlreichen Geräten und Technologien noch lange nicht erreicht ist, besteht offenbar noch Potential nach oben.
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Drucken | 12.01.2009 15:12
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