
Der Musikkonsum wird immer individueller (stock.xchng)
Unter diesem Titel veröffentlichte pressetext letzte Woche ein Interview mit der «Popkomm»-Direktorin Katja Bittner. Die «Popkomm» ist bekanntlich der Branchentreff der Musikindustrie, eine Messe verbunden mit einem Kongress un einem Festival. Der Anlass, der vom 19. bis 21. September stattfand, konnte in diesem Jahr einen Besucher- und Ausstellerrekord verzeichnen. Offenbar ist die Stimmung «nach den Rückschlägen der vergangenen Jahre wieder verhalten positiv», wie pressetext schreibt. In dem Interview spricht Bittner über die aktuellen Probleme der Branche, ihre mögliche Lösung und die Rolle des Internets.
Für Bittner leidet die Branche derzeit vor allem darunter, dass es keine Vereinheitlichung gebe. Jeder Anbieter gehe neue Wege, die sich jedoch völlig von denen der anderen unterschieden. Zudem sei der Verrechnungsprozess - also die Frage, wieviel Geld beim Künstler ankommt - völlig intransparent. Die grössten Barrieren für den Kunden sieht die «Popkomm»-Direktorin in der mangelnden Kompatibilität der unzähligen Geräte und digitalen Formate. Bittner ist der Meinung, der «User sollte in Zukunft in der Lage sein, ein Musikstück, dass er egal wo erwirbt, auf jedem seiner Musikgeräte - sei es die heimische Musikanlage, der MP3-Player oder das Handy - ohne Behinderung abspielen zu können. Die Barrieren für den Nutzer, Musik legal herunterzuladen, müssen so niedrig wie möglich sein.»
Keine physischen Tonträger mehr
Im Internet sieht Bittner vor allem eine Chance für junge Musiker, die sich heute online ohne Label, ohne Radio- und TV-Stationen eine erste Fanbasis schaffen können: «Jetzt ist Interaktion gefragt. Niemand will sich nur noch bedudeln lassen. Der Musikfan will sich austauschen, will in irgendeiner Form involviert sein.» Wenn es dann aber darum gehe, wirklich Platten zu verkaufen, dann seien die Musiker überfordert und es brauche die Labels.
In absehbarer Zeit werde sich die Frage stellen, ob der Konsument überhaupt noch Musik auf einem physischen Datenträger besitzen will oder ob es nicht ausreicht, den Zugang zur Musik jederzeit von überall her auf jedem Gerät zu ermöglichen. Laut Bittner arbeitet die Branche an sowas wie einer «universellen Musikdatenbank, die jederzeit den Zugriff auf die gewünschten Titel ermöglicht.»
Verschiebung hin zur Musikauswertung
Weil der Verkauf von Tonträgern massiv eingebrochen ist, verschiebt sich der Fokus der Branche auf die Auswertungskette. Konzerttickets werden zum Beispiel teurer. Geld lässt sich also heute vor allem mit der Rechteverwertung und dem Merchandising machen. «Neben den Musikfreaks wird es immer die Masse geben, die darauf angewiesen ist, die zum Beispiel für ein Empfehlungssystem dankbar ist, das ihren Musikgeschmack bedient. Aber weil Mainstream ja mittlerweile so unsexy ist, sichert der User sich eher individuelle Tools, die auf seinen Geschmack abgestimmt sind.»
» Drucken 08.10.2007. 09:09
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