Kulturwandel und Glaubwürdigkeit

Media Bias
Vertrauenskrise der traditionellen Massenmedien. (mediaanddisability.org)

Die traditionellen Massenmedien - lange der Inbegriff der Glaubwürdigkeit - darben. Die gegenwärtige angespannte Wirtschaftslage beschleunigt ihren Untergang weiter. Täglich konnte man in letzter Zeit lesen, wie die Verlage an allen Ecken und Enden sparen wollen beziehungsweise müssen. Die Kulturpessimisten unter uns haben den Schuldigen schon lange ausgemacht: das Internet. Sie verkennen dabei, dass derzeit ein grundlegender Kulturwandel im Gange ist. Unsere Kulturtechnik der täglichen Informationsbeschaffung ist starken Veränderungen unterworfen (vgl. untenstehende Grafik). Der Konsument will zunehmend bestimmen, wann und wo er in welcher Weise für welchen Gegenwert jemandem seine Aufmerksamkeit schenken will. Das Ende der Gatekeeper und der eindimensionalen Kommunikation Top-down sind da nur der Anfang. Mit dem Verlust der Glaubwürdigkeit geht es weiter.

Emerging Cultural Practices
Quelle: Gerd Leonhard (mediafuturist.com)

Eine Umfrage von Zogby International unter mehr als 3'000 US-Amerikanern unmittelbar nach den Präsidentschaftswahlen brachte es ans Licht: 37.6 Prozent der Befragten gaben an, dass für sie das Internet die glaubwürdigste aller Quellen für Nachrichten darstelle. Auf das Fernsehen verlassen sich noch 20.3 Prozent, aufs Radio 16 Prozent. Fast Dreiviertel der Befragten (72.6 Prozent) sind zudem der Meinung, dass die Nachrichten auf allen Kanälen parteiisch beziehungsweise unausgewogen (biased) sind. Alle Resultate sind hier als PDF abrufbar.

Ein Wendepunkt der Geschichte?

Während letzteres primär noch ein amerikanisches Phänomen ist (der so genannte Media Bias), deutet der Vertrauensverlust der traditionellen Medien tatsächlich auf einen Kulturwandel hin. ReadWriteWeb spricht in diesem Zusammenhang - nicht ganz unberechtigt - sogar von einem Wendepunkt in der Geschichte. Dem Internet, das bis vor kurzem noch von allen Seiten als nicht vertrauenswürdig verschrien wurde, wird eine höhere Glaubwürdigkeit als dem TV oder dem Radio zugesprochen. Die Erfahrung zeigt, dass bislang kein neues Medium ein altes vollständig verdrängen konnte. Nur, wie tief wird der Fall der klassischen Massenmedien sein? Die Zeichen der Zeit sprechen eine deutliche Sprache.

Quellen: ReadWriteWeb, mediafuturist, zogby

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| Artikel drucken Drucken | 25.11.2008 10:47

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